Technik

Der Trick mit dem gelben Topf


Pumpen von Klaus Union müssen absolut dicht sein – sonst wird’s gefährlich

Bochum. Der gelbe Keramiktopf, den Adam Lindner mit einem dicken Stahlring in eine Pumpe einschraubt, muss exakt sitzen. „Mit einem ganz bestimmten Drehmoment gleichmäßig die Schrauben anziehen – das ist das Wichtigste“, sagt der Feinmechaniker. „Dadurch wird das komplette System dicht. Und dicht muss es sein, weil sehr aggressive, explosive oder giftige Stoffe da durchfließen.“

Pumpen befördern Säuren und Laugen

Die Pumpe, die Lindner bei seinem Bochumer Arbeitgeber Klaus Union zusammenbaut, ist für die Chemie-Industrie bestimmt. Und das gelbe Teil aus Keramik ist ein sogenannter Spalttopf. Der trennt die rotierende Welle in zwei Teile und isoliert so die zu pumpenden gefährlichen Flüssigkeiten.

Der Clou: Magnete befinden sich inner- und außerhalb des Spalttopfs. Sie übertragen das Drehmoment des Elektromotors berührungsfrei eins zu eins auf Welle und Laufrad der Pumpe. Solche Pumpen sind eine Spezialität von Klaus Union. Sie befördern beispielsweise Säuren und Laugen. Auch in Raffinerien und in Kraftwerken werden sie eingesetzt – also überall dort, wo eine ­Leckage gefährlich ist.

Beim Spalttopf spielt das Material eine entscheidende Rolle. Normalerweise sind diese Teile aus Metall. Doch da gibt es ein Problem: Durch das rotierende Magnetfeld entsteht ein unerwünschter Wirbelstrom, der Energie frisst. Zudem erwärmt sich der Spalttopf dabei ähnlich einem Kochtopf auf dem Induktionsherd und muss gekühlt werden.

Deshalb stellt Klaus Union das Bauteil je nach Anwendung aus Kunststoff oder Industrie-Keramik her. Das Material muss dünn genug sein, damit die Magnete eng beieinander liegen. Es muss Temperaturen bis 250 Grad und einen Druck bis zu 40 Bar aushalten. Zum Vergleich: In einem Autoreifen stecken rund 2 Bar.

Diese Spalttöpfe sind teurer, sparen aber gut 10 Prozent Energie. „Da unsere Pumpen meist rund um die Uhr laufen, lohnt sich die Anschaffung oft schon nach kurzer Zeit“, sagt Vertriebsleiter Carsten Ricken. „Seit drei Jahren schnellen die Verkaufszahlen unserer energieeffizienten Produkte nach oben.“ Weil Pumpen fast in allen Branchen benötigt werden und weltweit viel Energie verbrauchen, wird die EU über kurz oder lang wie bei Glühbirnen sparsame Modelle verordnen, ist sich der Vertriebschef sicher.

Rohstoffpreise enorm gestiegen

Von dieser Entwicklung können die Bochumer nur profitieren. Die Auftragslage ist gut, trotz ein paar Unsicherheiten: Wie geht es mit dem Euro weiter? Wie mit den Rohstoffen? Magnete werden schließlich aus „Seltenen Erden“ wie Samarium Cobalt produziert, die hauptsächlich aus China stammen. Nun gibt es erste Engpässe, und die Preise sind enorm gestiegen.

Zudem ist der Betrieb auf Fachkräfte angewiesen. „Wir sind der Mercedes unter den Pumpenherstellern. Damit das so bleibt, investieren wir viel in interne Weiterbildung“, sagt Betriebsratsmitglied André Rybiak. Den Umsatzeinbruch von 2009 hat das Familienunternehmen ohne Entlassungen gemeistert. Seitdem hat die Firma die Zahl der Stellen sogar aufgestockt.


Info: Klaus Union GmbH & Co. KG

Das Unternehmen produziert Pumpen für die chemische und petrochemische Industrie, für Raffinerien, Flüssiggas- und Biogasanlagen, Tanklager und Kraftwerke. Außerdem stellt es Schieber und Ventile her. Es beschäftigt 220 Mitarbeiter (darunter 14 Auszubildende) und erzielt 80 Prozent seines Umsatzes im Ausland.

Der Bochumer Betrieb gehört zur Klaus Union Gruppe mit insgesamt 400 Beschäftigten. Die hat auch Fertigungsstätten in China, Indien und den USA.

 

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