Fasern zum Wohlfühlen

Der Textilveredler Eing macht aus einfachen Stoffen trickreiche Funktions-Textilien

Gescher. Über Klaus Höings Kopf hängt eine breite Bahn flauschiger Frottierware. Der 52-Jährige zieht kräftig an dem Stoff, damit der schön gerade in den Spannrahmen läuft: „Wenn er sich verzieht, wird er am Ende krumm geschnitten. Da müssen wir korrekt arbeiten.“

Dem Textilmaschinenführer bei Eing im münsterländischen Gescher steht der Schweiß auf der Stirn: Er und seine gut 130 Kollegen haben viel zu tun. Über 7.000 Tonnen Garne, Gewebe und Vliese rüsten sie jährlich aus, berichtet Geschäftsführer Michael Büchner: „Es geht darum, Textilien für spezielle Anwendungen fit zu machen.“

Sie sollen mal flammenhemmend oder flauschig sein, mal in brillanten Farben erstrahlen. Aber auch schmutzabweisend oder lichtbeständig müssen sie sein. Oder etwa das Wachstum von Bakterien hemmen. So wie der Stoff, den Hendrik Feldkamp aus einem Rundwagen zieht.

Geld sparen mit heißer Luft und dazu die Umwelt schützen

„Daraus wird OP-Kleidung“, sagt der 33-jährige Produktveredler, der schon seit 17 Jahren in dem Unternehmen arbeitet.

Doch nicht nur solche Hightech-Stoffe gehen durch seine Hände. Etwa die Hälfte des Umsatzes von 15 Millionen Euro pro Jahr macht sein Arbeitgeber mit Heim- und Haustextilien wie Bett- und Tischwäsche, Putz- und Handtüchern. Immer häufiger veredelt das 1950 gegründete Unternehmen aber auch technische Textilien. Sie überspannen als textiles Dach Fußballstadien und Flughafen-Terminals oder dämpfen Geräusche im Innenraum von Pkws.

Mittlerweile hat Klaus Höing, der Mann am Spannrahmen, den leuchtend blauen Frottierstoff korrekt positioniert. Langsam fährt der Spannrahmen an. Über ihm saugen dicke Metallrohre die bis zu 160 Grad heiße Luft ab, die im Innern der 18 Meter langen Anlage den Stoff trocknet.

Die Rohre gehören zu einem ausgeklügelten System aus Abluftreinigung und Wärmerückgewinnung. Vor zwei Jahren haben die Münsterländer die Anlage für 1 Million Euro installiert. Der Trick: Die Abluft aus der Produktion wird auf über 800 Grad erhitzt. Dabei verbrennen umweltschädliche Partikel wie Spinn- und Mineralöle oder Formaldehyd.

Hinzukommt: „Die gewonnene Wärme wird genutzt, um damit die Färbereien mit Heißwasser zu versorgen“, erklärt Büchner. Das Unternehmen veredelt auch Garne für ein Produkt, das man gern anzündet: Kerzendochte. Damit die nicht sofort verbrennen, behandelt Eing sie mit einem Spezialverfahren, das es in sich hat: Nur das Parafin der Kerze verbrennt – der Docht selbst jedoch hält die Verbrennung stundenlang aufrecht.

Büchner: „Veredeln heißt eben nicht nur Färben.“


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