Einigung von Arbeitgebern und Gewerkschaften

Der Tarifabschluss macht die Kautschuk-Branche noch attraktiver für Fachkräfte

Fulda. 23 Monate Planungssicherheit für die Betriebe bis Ende Mai 2016, eine zweistufige Lohnerhöhung um 3,3 und 2,8 Prozent – und ein bemerkenswertes Maßnahmenpaket zur Fachkräfte-Sicherung: Das sind die Ergebnisse der diesjährigen Tarifverhandlungen in der Kautschuk-Industrie.

Zeitgleich mit der Lohnrunde verständigten sich die Gewerkschaft IG BCE und der Arbeitgeberverband ADK auf völlig neuartige Maßnahmen. „Mit der Einigung haben wir einen hochinnovativen Vertrag geschlossen, der unseren Unternehmen genug Luft zum Atmen lässt und Antworten auf die Herausforderungen des demografischen Wandels gibt“, erklärte Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands ADK. Er hob hervor: „Der Vertrag schlägt ein neues Kapitel für die Tarifpartnerschaft in Deutschland auf.“

Dual Studierende werden gefördert – aber auch Hauptschüler

Der neue Tarifabschluss dürfte das Image der Kautschuk-Industrie noch einmal deutlich stärken – als einer bunten Branche mit höchst unterschiedlichen Produkten und attraktiven Konditionen für Beschäftigte. „Wir begegnen dem Fachkräfteproblem von zwei Seiten“, so Schmidt. „Ältere Mitarbeiter bleiben länger im Betrieb, und für junge Leute wird ein Job bei Kautschuk attraktiver.“

So wird die „Demografieagentur der niedersächsischen Wirtschaft“ künftig bundesweit Kautschuk-Betriebe beraten, unter anderem bei Gesundheitsprogrammen für Mitarbeiter, und dafür in den kommenden drei Jahren mit jährlich 250.000 Euro gestärkt.

Zudem können Ältere (ab 60 in Wechsel-, Drei- und Zweischichtarbeit, ab 63 in Tagschichten) mit Beginn des kommenden Jahres bei 50-prozentigem Lohnausgleich zwei Stunden kürzer arbeiten und ab Anfang 2016 vier Stunden. „Auch dies ist ein Baustein, um Ältere länger im Betrieb halten zu können“, sagte ADK-Tarifexperte Norbert Reiners. IG BCE-Verhandlungsführer Marc Welters: „Es ist uns gelungen, die Tür zur Entlastung für ältere Arbeitnehmer zu öffnen. Das kann sich sehen lassen.“

Ein eigener Tarifvertrag „Dual Studierende“ zielt auf Abiturienten, die neben der Ausbildung ein Studium machen. Die Azubi-Vergütungen steigen überproportional um 7 Prozent. Und: „Für Unternehmen wird es attraktiver, Hauptschulabgänger anzuheuern“, sagte Josef Lottes, der Verhandlungsführer der Arbeitgeber. Denn die Tarifpartner fördern jede Lehrstelle für Hauptschüler mit 5.000 Euro.

Fakten

Das neue Demografie-Paket

  • 750.000 Euro für die „Demografieagentur der niedersächsischen Wirtschaft“. Sie berät nun bundesweit Kautschukbetriebe.
  • Stufenweise Arbeitszeitverkürzung für ältere Mitarbeiter im Schichtbetrieb, um ihre Beschäftigungsfähigkeit zu erhöhen.
  • Nachwuchskräfte-Offensive mit dem Tarifvertrag „Dual Studierende“, höherer Azubi-Vergütung und Pro-Hauptschüler-Aktion.

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