Handwerk statt Hightech

Der saudische König fliegt auf edle Tischwäsche von Strunkmann-Meister aus Bielefeld

Bielefeld. Die Hand schwebt über den Leinenstoff. Elke Leßmann setzt einen dünnen Zeichenstift aufs weiße Tuch – und malt freihändig ein geschwungenes „A“ auf den Stoff. Über 400 solcher Monogramme entstehen so Jahr für Jahr in der Werkstatt von Strunkmann-Meister in Bielefeld.

Saudischer König ordert Servietten

Alles Unikate, von Leßmann aufgezeichnet und ihren Kolleginnen millimetergenau und kunstvoll nachgestickt. Deutsche Wertarbeit mal anders: Statt Hightech „made in Germany“ gilt hier „handmade in Germany“.

„Bei uns wird so gut wie alles von Anfang bis Ende mit der Hand gefertigt“, sagt Jan Heipcke, geschäftsführender Gesellschafter des 1832 gegründeten Unternehmens. Die Manufaktur gehört bundesweit zu den ersten Adressen, wenn es um edle Bett- und Tischwäsche geht.

Das textile Handwerk aus Ostwestfalen ist auch weltweit erfolgreich. Im Privatjet des saudischen Königs beispielsweise fliegen handbestickte Servietten mit, die in der Manufaktur noch Mundtücher heißen. Und bei Staatsbanketten des Bundespräsidenten in Bonn und Berlin zieren aufgestickte Bundesadler aus der Werkstatt die Tischtücher.

Die zehn ausgebildeten Sticker- und Näherinnen arbeiten an den Unikaten aus edlen Leinen- und Damaststoffen so wie zur Gründerzeit des Unternehmens: genau, präzise, ohne Hast.

Katrin Uecker vernäht den Stoff immer „fadengerade“– also genau in Webrichtung: „So franst die Naht nicht aus, und es entstehen keine störenden Fäden.“ Bei fertigen Servietten hämmert sie Nähte flach, damit die später keine Wülste bilden.

Das braucht seine Zeit. Es dauert Monate, bis etwa eine Hochzeitsdecke, auf der die Unterschriften der Gäste fein nachgestickt werden, fertig ist. „Unsere Kunden akzeptieren das. Dafür verlangen sie Ware, die lange hält und die nach ihren individuellen Wünsche genäht ist“, erklärt Firmen-Chef Heipcke.

Langlebig sind die Maßanfertigungen tatsächlich. „Wir haben Tischdecken auf- und umgearbeitet, die 1850 hier genäht wurden“, erzählt Leßmann.

Dabei hilft ein Fundus von rund 100.000 Originalvorlagen für Schriftzüge, Lettern oder Wappen, die seit der Gründung der Manufaktur gesammelt werden – penibel verpackt im Musterschrank der Werkstatt. „Das ist ein einzigartiges Betriebskapital“, weiß Leßmann. Daraus stammt auch so manches Motiv für die diesjährigen Weihnachtsdecken.

Damit die nach dem Fest wieder in makellosem Weiß erstrahlen, übernimmt Strunkmann -Meister in der eigenen Wäscherei das Reinigen, Mangeln und Stärken – ganz individuell, im Stile des Hauses.

Heipcke garantiert: „Für jeden Kunden laufen die Waschmaschinen neu an.“


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