Folien-Produktion unter extremen Bedingungen

Der Reinraum von Bischof + Klein ist sauberer als ein Operationssaal

Lengerich. Sitzen die Handschuhe korrekt? Sind die Haare gut abgedeckt? Die Männer auf dem Bild oben haben alles richtig gemacht. Dieses ungewöhnliche Outfit ist für sie Alltag, am ganz speziellen Arbeitsplatz – einem Reinraum.

Was Sauberkeit und Hygiene angeht, lässt dieser Reinraum jeden normalen Operationssaal weit hinter sich!

„Platzangst darf man bei uns nicht haben“

Und das ist auch nötig. Hier, auf dem Gelände des Folienspezialisten Bischof + Klein (B+K) im nordrhein-westfälischen Lengerich, geht es um hochreine Produkte: Verpackungen, überwiegend Kunststoffbeutel, in die sich kein Staubkorn verirren darf – weil sie zum Beispiel Spritzen, Pharmazeutika oder empfindliche Elektronik schützen werden.

Auf dem Weg in den Reinraum durchlaufen die Mitarbeiter einen regelrechten Parcours. Zunächst werden an einer Barriere die Schuhe gewechselt. Dann frische weiße Arbeitskleidung und Haarnetz angezogen, die Hände gereinigt und desinfiziert.

„Alles muss korrekt sitzen, nichts darf beschädigt sein: Haare oder Fasern würden in der Fertigung das hochreine Produkt verderben“, erklärt Betriebsleiter Klaus-Dieter Hofmeister.

Erneut geht es über eine Barriere, wieder werden die Schuhe gewechselt. Dann der Reinraum-Overall, die Haube und die Handschuhe übergestreift. Je nach Anforderung ist auch eine Schutzbrille Pflicht: „Platzangst darf man bei uns nicht haben“, sagt Hofmeister. Er ist mit seinen 62 Jahren ein alter Hase bei B+K, hat die Produktion unter Reinraum-Bedingungen mit aufgebaut – und viele der rund 60 Frauen und Männer hier auf die ungewöhnlichen Arbeitsbedingungen vorbereitet.

Extra-Gebäude für die hochreine Produktion

Neulinge bekommen als Erstes eine Schulung über das Verhalten im Reinraum. „Neben der fachlichen Qualifikation benötigt man vor allem Ruhe und Gelassenheit“, so Hofmeister, „denn jede Bewegung wirbelt unsichtbare Partikel auf, die die Verpackungen verschmutzen könnten.“

Maschinenführer Rene Baumkamp ist die Umstellung auf den speziellen Job gut gelungen. Der 26-Jährige hat im Betrieb gelernt, ist schon lange im Reinraum tätig und macht gerade seinen Techniker Maschinenbau. „Anfangs habe ich mich wie ein Chirurg gefühlt“, erinnert sich Baumkamp, „aber dann habe ich mich an den Aufwand gewöhnt.“

Verpackungen mit besonders hohem Reinheitsanspruch werden bei B+K schon seit 20 Jahren hergestellt. 2004 wurde dafür ein separates Gebäude gebaut. Im Reinraum werden hochreine Folien produziert, daraus entstehen Verpackungen, die mithilfe von Automaten konfektioniert werden.

Als Komplettanbieter für flexible Verpackungen und technische Folien ist die Firma aber auch dabei, wenn es etwa darum geht, Kaffee aromasicher zu verpacken, Papiertaschentücher mit Folie zu schützen oder Tierfutter luftdicht aufzubewahren. Weltweit beschäftigt die Gruppe rund 2.400 Mitarbeiter, davon 1.900 in Deutschland: in Lengerich und im bayerischen Konzell.

Fakten

Höherer Luftdruck

  • Ein Reinraum ist von seiner Außenumgebung völlig abgeschottet und nur über Schleusen erreichbar.
  • Mit Klimaanlage und Spezialfiltern werden Staubteilchen zu 99,99 Prozent aus der Luft entfernt.
  • Ein Reinraum hat einen höheren Luftdruck als seine Umwelt: Das verhindert, dass Staub von außen eindringt.
  • Um die Produkte vor Partikeln zu schützen, die sich bei jeder Bewegung lösen, muss das Reinraum-Personal Schutzkleidung tragen.

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Wissen veraltet schneller, lebenslanges Lernen wird wichtiger: Eine Herausforderung – für Firmen und Beschäftigte. AKTIV sprach darüber mit Michael Beidermühle, Personalchef des Mittelständlers Bischof + Klein in Lengerich.

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