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Der Olympia-Trainer


Sein ganzer Stolz: Liebevoll hält Dieter Schwarz die Olympiasiegerin in den Händen. Foto: Karmann

Niehoff-Mitarbeiter Dieter Schwarz züchtet Brieftauben

Kammerstein. Wenn Dieter Schwarz seinen Taubenschlag betritt, umringt ihn gleich eine ganze Schar. Das aufgeregte Gurren der Vögel wird lauter, einige  drehen Pirouetten. Das ist es, was ihm an seinem Hobby so gefällt: „Wie die Tiere auf mich reagieren.“ Und dass sie aus großer Entfernung immer wieder in ihre Heimat zurückfinden.

Es reizt ihn, Brieftauben wie Sportler zu trainieren. 70 bis 80 Kilometer sind sie vom Frühjahr bis Herbst jeden Tag in der Luft unterwegs.

Seit fast 34 Jahren züchtet Schwarz in seiner Heimat Schattenhof, einem Ortsteil von Kammerstein bei Nürnberg, die gefiederten „Postboten“. Noch zwei Jahre länger hält der 51-Jährige schon seinem Arbeitgeber Niehoff in Schwabach die Treue. Beim weltgrößten Hersteller von Maschinen für die Draht- und Kabel-Industrie arbeitet der Industriemeister im Prüffeld.

So weiß er bestens, worauf es ankommt, damit die Qualität stimmt – im Fall von Maschinen wie im Fall von Tauben. Seinen Erfolg als Züchter hat er im vergangenen Jahr in Dortmund bewiesen: „Meine erste Teilnahme an einer Olympiade – und gleich gewonnen.“ Stolz holt Schwarz einen Pokal und eine Goldmedaille aus der Schrankwand im Wohnzimmer.

Die Schnellste flog 140 Stundenkilometer

Die Auszeichnung bekam er für eines seiner Taubenweibchen. Es setzte sich gegen 219 Artgenossen aus 22 Ländern als Schönste in der Standardklasse durch.

Schwarz zählt einige Kriterien für die Wahl auf: „Die Färbung von Kopf und Auge, Knochenbau und Gefieder, Form und Festigkeit des Rückens.“ Ein gefälliges Aussehen reicht aber nicht, um Olympiasieger zu werden.

Qualifizieren können sich nur Brieftauben, die auf Wettflügen zu den schnellsten 20 Prozent in ihrer Heimatregion gehören: Zwei Jahre lang müssen sie dabei insgesamt mindestens 2.500 Kilometer zurücklegen. Mit einer Geschwindigkeit von durchschnittlich 80 bis 120 Kilometern in der Stunde – je nach Windrichtung. „Vor drei Jahren hatten wir sogar einen Flug mit Tempo 140“, erzählt Schwarz.

Heuer schicken er und sein 24-jähriger Sohn Dominique, der sich schon als Grundschüler für das Hobby begeisterte, 75 Tauben in die Rennen. Das ist ungefähr die Hälfte ihrer Tiere.

Dieter Schwarz zeigt den Wettkampfplan an 13 Wochenenden. Im April ging’s los. „Start unseres letzten Preisfliegens für Mittelfranken ist immer Ende Juli in Ostende.“ Von dem belgischen Seebad bis nach Hause sind es 630 Kilometer – die längste Distanz in der Saison. Die Sehnsucht nach dem Schlag in der Heimat und dem Partner-Tier treibt die Vögel an.

Habicht und Sperber sind die größte Gefahr

„Ob wir wieder einen Kandidaten für die Olympiade haben, zeigt sich erst nach allen Wettflügen“, sagt der Franke. 2011 findet der wichtigste Wettbewerb für Brieftauben in Polen statt.

Seine „Miss Olympia“ von 2009 darf nicht mehr fliegen – wegen der Gefahr, von Habichten oder Sperbern erwischt zu werden. Ihre Aufgabe ist jetzt, für olympiareifen Nachwuchs zu sorgen.


Meine Arbeit

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ein Nachbar war von der Lehre bei Niehoff ganz begeistert. Deshalb entschied auch ich mich für das Unternehmen. Mit 15 begann ich meine Lehre als Energieanlagen-Elektroniker. 

Was gefällt Ihnen besonders?

Die gesamte Aufgabe als Meister im Prüffeld für die Maschinen, das Miteinander der Kollegen und dass wir immer mit den modernsten Produkten zu tun haben.

Worauf kommt es an?

Gefragt ist vor allem Eigeninitiative, um auf dem neuen Stand der Technik zu bleiben. Außerdem Vorbild für die Mitarbeiter sein, Verantwortung übernehmen und stets ein einwandfreies Produkt ausliefern.

 

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