Forschung

Der Nachwuchs macht Hoffnung


Fünf junge Forscherinnen und Forscher mit dem Förderpreis der Deutschen Kautschukindustrie prämiert

Hamburg. Weit geht der Blick aus dem 20. Stockwerk des Atlantik-Hauses über den Hamburger Hafen. Aus fast 100 Metern Höhe den Sonnenuntergang zu erleben – das ist doch was anderes, als in einem Kellerraum die Augen an eine niedrige Decke zu richten.

Dort hat Ulrike Wangenheim (30) in den letzten Monaten viele Tage verbracht. Mit „Elektro-Spinnen“ hat sie sogenannte Nano-Fasern produziert – das Verfahren und seine Anwendungsmöglichkeiten war Thema ihrer Doktorarbeit.

Hauchdünne künstliche Fasern

„Da meine Experimente im Keller stattfanden, konnte ich mit Achtbeinern um die Wette spinnen“, erinnert sich die Leipzigerin schmunzelnd. Der Einsatz hat sich gelohnt: Im Hamburger Atlantik-Haus erhielt sie nun den „Förderpreis der Deutschen Kautschukindustrie“ – zusammen mit vier weiteren Nachwuchswissenschaftlern.

Sie alle hatten am Deutschen Institut für Kautschukindustrie (DIK) in Hannover ihre Abschlussarbeit geschrieben. Der Preis, je nach Einzelfall mit 1.500 oder 3.000 Euro dotiert, wurde dieses Jahr schon zum fünften Mal vergeben – vom Arbeitgeberverband ADK in Zusammenarbeit mit dem DIK. „Er soll den Anreiz verstärken, dass besondere Leistungen sich lohnen“, erklärt der ADK-Vorsitzende Sven Vogt.

Ulrike Wangenheim hat „einen wichtigen Beitrag zum Verständnis des Elektro-Spinnens geleistet“, sagt die Jury. Ihre Forschungen halfen dabei, die exakten Bedingungen für die Herstellung von verschiedensten Fasertypen zu erkennen. Und dabei, das Ganze physikalisch-chemisch zu erklären.

Beim Elektro-Spinnen wird mittels eines elektrischen Feldes gearbeitet: An einer Elek­trode wird eine Polymerlösung dosiert, die Gegenelektrode „greift“ über das elektrische Feld da hinein und verleiht der Substanz eine Beschleunigung, zieht also die Fäden.

So entstehen hauchdünne Gespinste und Fasern, mit einem hunderttausendstel Millimeter Durchmesser. Dick genug, um zum Beispiel extrem leistungsfähige Filtervliese zu erzeugen. Oder Gerüststoffe für das Wachstum von Zellen zur peripheren Nervenregeneration oder für künstliche Blutgefäße. Um gleichmäßige Ergebnisse zu erreichen, sind lange Versuchsreihen nötig. Dabei geht es um die richtigen Parameter: etwa Ladungsdichte, Viskosität und Oberflächenspannung der Polymerlösung.

„Flummis in die Kindergärten!“

Jury-Chef Professor Ulrich Giese, der Vorsitzende des DIK, zeigt sich von den fünf prämierten Arbeiten begeistert. Und: „Das DIK ist eine geeignete Plattform für Materialentwicklung, Aus- und Fortbildung und deshalb geeignet, den Fachkräftemangel zu beheben“, so Giese.

Ein paar Schritte zurück geht am Prämierungsabend der ADK-Vorsitzende Vogt. „So toll diese jungen Leute sind – wir müssen mit der Begeisterung für die Naturwissenschaften noch früher beginnen“. Und bringt es auf die Formel: „Flummis in die Kindergärten!“

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