Der zweite Weg zum Ziel

Der Maschinenbauer Illig hilft Mitarbeitern, die neben dem Beruf studieren wollen

Heilbronn. Der Tag von Aydin Henden (34) ist ganz schön durchgetaktet: Bis 15.50 Uhr arbeitet er in seinem Job als Teamleiter im Betrieb, danach lässt er sich sein Essen dorthin kommen, brütet dabei über den Schulbüchern und studiert anschließend ab 17.45 Uhr bis um 21.15 Uhr Maschinenbau. Das Institut der Hochschule Heilbronn, „Hill“, liegt gleich gegenüber.

Die kurzen Wege sind zwar eine Erleichterung, doch entscheidend ist etwas anderes: „Das Studium macht mir unglaublich viel Spaß, es fordert mich und bringt mich weiter“, sagt Henden. „Ohne Motivation und Einsatz des Mitarbeiters funktioniert Weiterbildung nicht“, erklärt dazu Andreas Roming, Personalreferent beim Maschinenbauer Illig in Heilbronn.

Wenn jemand jedoch so engagiert bei der Sache ist wie Henden, hilft das auch dem Unternehmen: „Wir unterstützen seine Entwicklung, auch wenn es noch keine konkrete Stelle für ihn gibt“, so Roming. Henden kommt jetzt ins vierte Semester: Halbzeit. Seine Vorlesungen sind abends und samstags. Und das ist nicht alles: „Bis zu 15 Stunden pro Woche lerne ich zu Hause“, sagt er.

Die Firma Illig beschäftigt in Heilbronn rund 700 Mitarbeiter und gehört zu den Gründern des Heilbronner Instituts für lebenslanges Lernen, einer Einrichtung der Hochschule Heilbronn, kurz „Hill“. Illig-Geschäftsführer Karl Schäuble: „Es war uns wichtig, hier vor Ort eine Möglichkeit zu schaffen, neben dem Job noch zu studieren.“ Er will ein Zeichen setzen: „Wer mittlere Reife hat und eine duale Ausbildung macht, dem steht alles offen. Das ist für uns ein wichtiges Signal.“

Bei einer Fortbildung ist Weitblick entscheidend: Potenziale entwickeln, so das Motto. Denn der Hersteller von Maschinen für die Verpackungsindustrie braucht Mitarbeiter, die über den Tellerrand hinaussehen und neue Ideen einbringen. „Heute haben wir eine Lieferzeit von etwa 14 Wochen, die wollen wir deutlich verkürzen“, sagt Achim Schulz, der den gesamten Bereich Werkzeugbau leitet. Wie kann man Abläufe beschleunigen? „Genau das lerne ich in meinem Studium zum Projektmanager für Werkzeug- und Formenbau“, sagt Alfred Fleps (44). Er hat bei Illig eine wichtige Funktion im Werkzeugbau mit Verantwortung für etwa 40 Mitarbeiter. Auch bei ihm zündete die Idee, neben dem Job noch zu studieren.

„Man muss eben wissen, was man will“, so bringt es der Familienvater auf den Punkt. Vier Tage im Monat studiert er an der Hochschule in Schmalkalden (Thüringen), zwischendrin wird zu Hause gepaukt. „Nicht einfach, wenn man noch Familie hat. Doch der Einsatz lohnt sich“, ist Fleps überzeugt. „Ich habe aus einer Fachzeitschrift von dem Studium erfahren und wusste, es ist das, was ich brauche, um am Ball zu bleiben und mich weiterzuentwickeln.“

Personaler Roming erarbeitet derzeit ein Konzept für Mitarbeiter, die so einen Weg gehen. „Die Mitarbeiter bringen ihre Zeit ein, und das Unternehmen unterstützt sie finanziell“, so Roming. Eine Garantie, danach auf eine besser qualifizierte Stelle zu kommen, gibt es nicht. Die Chancen dafür stehen jedoch gut: „Nur wenn wir unsere Mitarbeiter entwickeln, können wir als Unternehmen weiterkommen.“


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