Gut gepolstert durchs Studium

Der Maschinenbauer Heller unterstützt Mitarbeiter, die nach Höherem streben


Nürtingen. Wer Sascha Jahn fragt, warum er sich ausgerechnet das Fach Industrie-Elektronik ausgesucht hat, bekommt eine überraschende Antwort: „Weil es so schwer ist“, sagt der junge Mann und lacht dabei. „Die Herausforderung hat mich gereizt“, meint der 28-Jährige, und dann erzählt er selbstbewusst, wie er seinen Weg gemacht hat vom Realschüler bis zum Elektroingenieur. Seinem Arbeitgeber ist er dabei treu geblieben: dem Maschinenbauer Heller in Nürtingen.

Heute baut er Heller-Maschinen als 3-D-Modelle am Computer nach. Gerade überspielt er so ein virtuelles Abbild vom Laptop auf die Maschinensteuerung. Das Modell muss bis auf das Hundertstel stimmen: Es ist die Grundlage für eine unfallfreie Steuerung der Fräsmaschinen, auf die Heller spezialisiert ist. Damit können die Achsbewegungen der Maschine berechnet und mögliche Kollisionen frühzeitig erkannt werden.

Die Liebe zur Technik ist Jahn schon in die Wiege gelegt: Sein Vater und sein Bruder sind Industrie-Mechaniker, und er selbst hat immer gern getüftelt.

Nach der Ausbildung als Servicetechniker im Einsatz

Ehrgeizige Ziele hat er sich schon als Realschüler gesteckt: „Ich wollte zu Heller, denn die Ausbildung hier hat einen sehr guten Ruf.“ Es klappte, und Jahn begann mit 17 Jahren bei dem Maschinenbauer als Azubi zum Industrie-Elektroniker Fachrichtung Produktionstechnik.

„An ein Studium dachte ich damals überhaupt nicht“, erzählt er. Nach der Ausbildung wurde er in Hannover als Servicetechniker eingesetzt. „Das war sehr anspruchsvoll und ich habe viel dabei gelernt.“

Erst bei der Bundeswehr kam ihm der Gedanke, sich an ein Studium zu wagen. Zurück bei Heller wollte er eigentlich kündigen, um zu studieren, und landete so bei Personalentwicklerin Elke Gackenheimer. „Wir haben ‚Stopp!‘ gesagt. Wir wollten ihn auf alle Fälle behalten und haben ihm ein Angebot gemacht.“

Jahn konnte sein Arbeitsverhältnis ruhen lassen, solange er die Fachhochschulreife nachholte und studierte. Während der sieben Semester an der Hochschule Ulm unterstützte ihn Heller finanziell mit 300 Euro im Monat.

Für den jungen Mann ideal: „Ich hätte jederzeit zurückgehen können. Das hat vor den schwierigen Prüfungen viel Druck von mir genommen. Außerdem musste ich zur Finanzierung keinen Kredit aufnehmen.“ Umgekehrt war es für Heller gut angelegtes Geld: „Wir decken damit einen Teil unseres Ingenieurbedarfs“, sagt Personalchef Martin Töpler.

Mit dem Förderprogramm, das Heller 2006 aufgelegt hat, wurden bisher 60 Mitarbeiter unterstützt. In Zukunft soll zwar der Schwerpunkt auf ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen liegen, doch auch Techniker und andere Abschlüsse werden gefördert.

Damit will das Unternehmen, das weltweit 2.500 Mitarbeiter beschäftigt und 2012 rund 600 Millionen Euro umsetzte, Zeichen setzen: Den 20 gewerblich-technischen Azubis, die jedes Jahr in Nürtingen anfangen, werde signalisiert, dass sie sich noch weiterentwickeln können und dazu nicht den Arbeitgeber wechseln müssen, erläutert Töpler. Andererseits brauche Heller auch Facharbeiter, die mit ihrer Tätigkeit einfach glücklich sind. „Die gesunde Mischung macht es“, meint der Personalchef. Das gilt auch schon bei der Auswahl der zukünftigen Azubis. Mancher entwickelt seine wahren Stärken eben erst im Beruf: „Für mich waren die Jahre im Betrieb und als Servicetechniker sehr wichtig. Man bringt dann eine ganz andere Arbeitshaltung fürs Studium mit“, sagt Jahn.

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