Menschen

Der Mann für den guten Ton


Musiker mit Leib und Seele: Gottfried Rüth übt mit der Blaskapelle von Bosch Rexroth in der Kantine. Foto: Scheffler

Gottfried Rüth leitet das Orchester von Bosch Rexroth

 

 

Lohr am Main. Dreher und Dirigent. Gottfried Rüth ist ein doppeltes Talent: In der Bosch Rexroth AG in Lohr am Main lernte der heute 85-Jährige einst den Metall-Beruf. Und hier entdeckte er auch seine Liebe zur Musik. Seit fast 50 Jahren leitet der Franke das Werkorchester. Noch immer schwingt der Rentner den Taktstock.

 

 

 

Schlager, Märsche und moderne Melodien

 

 

 

Bereits als Lehrling trat Rüth in die Kapelle des Unternehmens ein, das auf Antriebstechnik und Steuerungen spezialisiert ist. Der musikalische Azubi lernte mehrere Instrumente. Neben Akkordeon und Schlagzeug spielt er längst auch Tenor-Horn und Saxofon.

 

 

 

Aus Beruf und Hobby machte er eins. „Das Mundstück hatte ich immer in der Tasche“, erzählt Rüth von früher. „In der Mittagspause habe ich den Ansatz geübt.“ Das ist die richtige Lippenstellung, die ein Bläser zum Spielen braucht.

 

 

 

Der ehemalige Mitarbeiter von Bosch Rexroth lässt keine Probe aus. Jeden Mittwoch kommt er ins Stammwerk nach Lohr, das auf halber Strecke zwischen Würzburg und Aschaffenburg liegt.

 

 

 

Bevor es losgeht, stärkt er sich in der Kantine. Viele kennen den Mann mit dem grauen Haar und nicken ihm freundlich zu. Sein Orchester spielt zu Jubiläen und Festen im Betrieb. Rüths Repertoire ist groß: alte Schlager, Märsche und moderne Melodien. Für jeden ist etwas dabei.

 

 

 

„Nur eine Handvoll Bläser waren wir“, berichtet der Rentner vom ersten improvisierten Konzert in den 60er-Jahren. Die Musik im Werkhof schallte hinauf ins Büro von Alfred Rexroth, einem der beiden Brüder, die die Firma damals leiteten.

 

 

 

„Jetzt gibt’s Ärger“, dachte der Dirigent, als ihn der Chef einbestellte. Doch statt einer Standpauke war der Vorgesetzte begeistert und spendierte spontan neue Instrumente.

 

 

 

Rüth wusste sofort, was er brauchte: zwei Waldhörner, ein Schlagzeug und eine Tuba. Die Rechnung landete jedoch bei Alfred Rexroths Bruder Ludwig, der damals die kaufmännischen Geschäfte führte. „Kommt nächstes Mal zu mir, wenn ihr etwas braucht“, polterte Ludwig, zahlte dann aber bereitwillig.

 

 

 

Noten auf dem Materialschein

 

 

 

Seither hat das Unternehmen die Kapelle und ihren Leiter immer wieder unterstützt. Es sorgte für Uniformen und stellte die Musiker für die Proben frei. „Wir arbeiteten in drei Schichten“, erzählt Rüth. „Da hätte ich nie alle zusammenbekommen.“

 

 

 

Noch heute treffen sich die Bläser in der Kantine. „Momentan sind wir 18 Leute“, sagt der Dirigent, der sich Nachwuchs für die Kapelle wünscht.

 

 

 

Ein Wink mit dem Taktstock, und das Orchester legt los. Notenblätter sind heute nicht mehr knapp. In jungen Jahren musste sich Rüth noch etwas einfallen lassen: Sogar auf die Rückseite eines Materialscheins kritzelte er einmal eine Melodie.

 

 

 

Ans Aufhören denkt der Musikfreund noch lange nicht. Er will die Kapelle führen, „solange ich kann“. Das hat er dem inzwischen verstorbenen Firmengründer Ludwig Rexroth fest versprochen.

 

 

 

 

 

Meine Arbeit

 

 

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

 

 

 

Mit 14 Jahren habe ich eine Ausbildung als Dreher gemacht. Später arbeitete ich als Werkmeister und leitete die Schleiferei. Schon als Lehrling habe ich im Werkorchester gespielt und wurde später sein Dirigent.

 

 

 

Was reizt Sie am meisten?

 

 

 

An der Werkbank stehe ich ja schon lange nicht mehr. Jetzt freue ich mich auf die Proben jede Woche. Und auf unsere Konzerte. Dann höre ich, wie gut das Orchester klingt.

 

 

 

Worauf kommt es an?

 

 

 

An der Schleifmaschine muss man genau arbeiten. Als Dirigent muss man geduldig sein. Denn ein Laien-Musiker kann nicht gleich jedes Stück spielen.

 

 

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