Job und Privates im Griff

Der Laborhersteller Sartorius bietet Mitarbeitern die Chance, Familie und Beruf zu vereinbaren

Göttingen. Als Ines Rannenberg 2002 Mutter wurde, stand fest: Unser Sohn soll nicht gleich in die Krippe. „Es war eine bewusste Entscheidung für die Familie.“ Die damals 35-jährige Produktmanagerin des Labor- und Prozesstechnik-Anbieters Sartorius in Göttingen wollte aber auch nicht den Job an den Nagel hängen. So suchte man nach einer individuellen Lösung.

Nach einem Jahr Elternzeit stieg Rannenberg wieder ein: im Homeoffice, zunächst mit 19 Stunden pro Woche. Inzwischen ist ihr Sohn elf Jahre alt, sie nutzt wieder öfter ihr Büro in der Firma und hat ihre Arbeitszeit auf 30 Stunden erhöht. Aktuell leitet sie ein Projekt in China, mit dem Team in Asien bespricht sie sich per Videokonferenz. „Dass ich in Teilzeit arbeite und in der Reiseplanung weniger flexibel bin, ist kein Hindernis“, sagt sie. „Sartorius sorgte für die passenden Rahmenbedingungen. Und irgendwann bin ich wieder voll dabei.“

Dann hat das Unternehmen sein Ziel erreicht: qualifiziertes Personal in der „Familienphase“ an Bord zu halten. Selbst Führungskräfte nehmen hier mittlerweile Teilzeitangebote in Anspruch.

Das Unternehmen wurde schon mehrfach als besonders familienfreundlich ausgezeichnet

Sartorius bietet nicht nur Gleitzeit, Teilzeit und Homeoffice. Man ermöglicht es den Müttern auch, ihre Kinder im Betrieb zu stillen – wenn die Väter den Nachwuchs dafür in die Firma bringen. Dazu passt, dass auch Vätern ermöglicht wird, Elternzeit in Anspruch zu nehmen.

Sartorius wurde dafür mehrfach als besonders familienfreundlich ausgezeichnet. Dabei stellt Personalleiterin Kirsten Siedler klar: „Familienfreundlichkeit ist kein Selbstzweck, wir fordern natürlich entsprechende Leistung von unseren Mitarbeitern. Es ist ein Geben und Nehmen und damit Grundlage einer nachhaltigen Personalpolitik.“

Für Teilzeitregelungen hat der Konzern, der letztes Jahr mit weltweit 6.100 Mitarbeitern knapp 900 Millionen Euro umsetzte, zahlreiche Modelle ausgearbeitet. Wer etwa seine kranken Eltern pflegen muss, kann die Arbeitszeit auf 50 Prozent reduzieren, bekommt aber 75 Prozent des Lohns. Später wird das dann wieder entsprechend kompensiert.

„Das ist nicht immer leicht“, sagt Siedler. „Wenn jemand für ein halbes Jahr freigestellt werden will, ist das auch für die Firma eine Herausforderung.“ Unterm Strich lohne es sich aber, weil es gute Leute ans Unternehmen binde und die Leistung des Einzelnen sogar erhöhe. Ines Rannenberg ist für eine begrenzte Phase bei Sartorius kürzergetreten. Als Karriereknick habe sie das nicht empfunden. Heute hat sie ein funktionierendes Zeitmanagement.

„Im Homeoffice braucht man Disziplin, und man bleibt immer etwas im Arbeitsmodus“, sagt sie. „Für mich ist es selbstverständlich, auch nachmittags – wenn ich eigentlich freihabe – meine Mails zu bearbeiten.“ Wenn dann das Job-Telefon klingele, würden eben berufliche Themen geklärt.


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