Innovation

Der Herr des Lichts


„Der Oscar für den stärksten Scheinwerfer geht an: Arri!“

Stephanskirchen/Beverly Hills. Als die Kinostars aus Hollywood vor ein paar Tagen auf dem roten Teppich Schlange standen, konnte sich Erwin Melzner (45) zurücklehnen: Er hatte seinen Oscar in Beverly Hills bei Los Angeles schon am 7. Februar bekommen: den „Beleuchtungs-Oscar" für den stärksten Halogen-Metalldampf-Scheinwerfer der Welt.

Keine Statuette, aber eine nicht minder wertvolle goldene Plakette: den „Beleuchtungs-Oscar“ für den stärksten Halogen-Metalldampf-Schein­werfer der Welt. Mit gigantischen 58 Zentimetern Durchmesser liefert er extrem sauberes Licht, arbeitet energie-effizient und leuchtet bei bestimmten Streuwinkeln fast doppelt so hell wie andere Geräte.

Damit Tom Cruise gut rüberkommt

Den „Arrimax 18/12“ haben Melzner als Entwicklungsleiter Lichttechnik und sein 17-köpfiges Team beim Münchner Filmtechnik-Spezialisten „Arnold & Richter Cine Technik GmbH“ (Arri) entwickelt. Zusammengearbeitet haben sie mit Volker Schumacher, der ebenfalls ausgezeichnet wurde, und dessen Firma Opsira.

Der Scheinwerfer ist schon seit 2005 auf dem Markt und inzwischen an den Drehorten und Bühnen dieser Welt weit verbreitet. „Genau das ist das Tolle“, sagt der Physik-Ingenieur Melzner: „Dass wir nicht nur für die Erfindung geehrt wurden, sondern für etwas Erprobtes, das sich durchgesetzt hat.“

 

Denn neben den Schauspielern müssen eben auch die Geräte absolut zuverlässig sein. Wie in „Mission Impossible III“, wenn Tom Cruise sich am Seil von einem Wolkenkratzer zum anderen schwingt. Das wirkt nur perfekt ausgeleuchtet so gut. Hier hilft der „Arrimax“ mit seinen 18- oder 12-Kilo­watt-Speziallampen. Melzner vergleicht: „Die Schatten, die er wirft, sehen so natürlich aus, als kämen sie von der Sonne.“

So überraschend es klingt: Auch bei Dreharbeiten in der Wüs­te, wo das Licht ohnehin grell ist, brauchen die Filmtechniker starke Lampen. Mit ihnen leuchten sie der Sonne entgegen, um sogenannte Schlagschatten zu vermeiden.

„Das Gala-Dinner war ein Erlebnis“

Den Einsatz seiner Technik am Filmset erlebt Melzner nur selten. „Ein Film-Verrückter bin ich schon gar nicht“, sagt er lachend. Ins Kino geht der zweifache Vater aber schon: „Ich schaue Filme anders an, weil ich genau wissen will, wie das Licht gesetzt wurde.“

Als er 2001 zur Arri-Lichtsparte kam, reizte ihn, „hier etwas aufbauen zu können“. Heute verfügt das Werk in Stephanskirchen bei Rosenheim, wo die Scheinwerfer auch montiert werden, sogar über ein professionelles Lichtlabor.

Für ein an­deres Geschäftsfeld, die analoge Kameratechnik, hat Arri in seiner 92-jährigen Geschichte schon 13 „Technik-Oscars“ gewonnen. Aber für Melzner war es Anfang Februar die Premiere in Beverly Hills: Mit Frack und Herzklopfen sprach er nach der Laudatio von Schauspielerin Jessica Biel seine Dankesrede: „Nur 45 Sekunden – das ist echt wenig! Aber das Gala-Dinner war ein Erlebnis. Der Preis ist ein Höhepunkt meiner Karriere.“

Aber es geht weiter. Mit seinem Team arbeitet er nun an der Serien-Einführung von vielseitigen LED-Leuchten für Film- und Studio-Anwendungen.

Eva Schröder

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