Porträt

Der hat was erlebt …


Klaus Baur ist seit 50 Jahren ein echter Budenheimer

Nur ein Mal ist Klaus Baur (64) zu spät gekommen. „Da habe ich meinen Schichtbeginn verschlafen.“ Sonst war er jeden Tag pünktlich – in der Chemischen Fabrik Budenheim. Schon als 14-jähriger Lehrling. Damals hieß das Be­triebsres­taurant noch Kantine. Und es gab da noch keine Wraps, sondern Eintopf mit Fleischeinlage. Jeden Tag radelte Baur  von seiner Heimatstadt Mainz-Gonsenheim ins sieben Kilometer entfernte Budenheim. 

Er ist jung geblieben nach 50 Jahren im Betrieb. Doch Tugenden wie Pünkt­lichkeit, Ordnung und Sauberkeit sind ihm all die Zeit wichtig gewesen.

Firmenwechsel nie erwogen

„Diese Werte beherzigen auch die Auszubildenden von heute wieder“, sagt Baur. „Das war nicht immer so.“ Gleichzeitig habe sich in den letzten Jahrzehnten auch die Firmenphilosophie verändert. „Heute steht der Mensch im Mittelpunkt, nicht mehr die Maschine.“

Ob er mal mit dem Gedanken gespielt hat, die Firma zu wechseln? Nie ernsthaft. Das, was ihn ein halbes Jahrhundert gehalten hat, war vor allem „die Sicherheit, in einem guten familiengeführten Unternehmen einen Arbeitsplatz zu haben“. Vierzehneinhalb Jahre bleiben die Mitarbeiter im Durchschnitt der Chemischen Fabrik Budenheim treu – einem 1908 gegründeten Unternehmen, das Spezial-Phosphate herstellt.

Die Verbundenheit weiß man zu schätzen: „Die Erfahrung und das Wissen von Herrn Baur“, betont Harald Schaub, einer der beiden Geschäftsführer, „lassen sich weder durch Bücher noch durch Excel-Tabellen ersetzen.“

Neben Baur begehen dieses Jahr 19 Mitarbeiter ihr 25-jähriges und einer sein 40-jähriges Dienstjubiläum. Schaub bedauert: „Künftig wird es wohl weniger Betriebsjubiläen geben. Die intensivere Qualifikation führt dazu, dass die Menschen später in den Beruf starten.“

Rückblick: Als angehender Chemielaborant beginnt Baur im Jahr 1960, nach seiner Schulzeit, die Ausbildung. In der gleichen Firma, in der sein Vater beschäftigt war. 1969 trifft er hier Renate wieder, die er in der Berufsschule kennengelernt hat, und die er kurz darauf heiratet.

Mit über 60 an die Uni

Von 1973 bis 1998 trägt Baur die Verantwortung für eine Säurereinigungsanlage – zunächst als Betriebsassistent, dann als stellvertretender Betriebsleiter. Während der folgenden Jahre arbeitet er in Spezialbetrieben.

Und 2007 geht er noch einmal an die Uni. Eine Woche lang lässt er sich an der TU Aachen zum „Lean-Expert“ weiterbilden: Er lernt, wie man die Wertschöpfungskette innerhalb eines Unternehmens optimal nutzen kann.

Er sei immer stolz gewesen auf seine Firma, sagt Baur. Auch in den 80er-Jahren, als das Ansehen der Chemie sank – und damit auch das ihrer Belegschaften.

Damals musste er seinen Freunden und Bekannten erklären, dass Phosphate unser ständiger Begleiter im Alltag sind: Es fängt bei Zahnpasta an und hört mit Wurst, Käse und Backpulver auf.

„Ich bin ein Budenheimer“, sagt er. In gut drei Monaten, am 31. August, geht seine aktive Mitarbeit zu Ende. Angst, dass er dann in ein Loch fallen könnte, hat er allerdings nicht. Er ist begeisterter Hobby-Karnevalist. „Und meine Frau hat bestimmt schon einen genauen Plan im Kopf, was ich alles in Haus und Garten zu tun habe.“

Tina Schilp

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