Kautschuk-Industrie

Der Gotthard-Tunnel: Alles dicht!


Freudenberg stattete Bohrer „Sissi“ aus

Weinheim/Hamburg. Mit der Wucht ihrer 440 Meter Länge fraß sich die Bohrmaschine „Sissi“ durchs Gestein – dann war der Durchbruch geschafft. Ingenieure feierten ihn kürzlich in den Schweizer Alpen. Der längste Tunnel der Welt führt 57 Kilometer durch das Gotthard-Massiv. Spätestens 2017 bewegt sich der Schwerlast-Transport dort nicht mehr über, sondern durch die Alpen.

Auch die deutsche Kautschuk-Industrie war dabei: Die Merkel Freudenberg Fluidtechnic mit Sitz in Hamburg hat die Großdichtungen für „Sissi“ geliefert. Sie schützten das Herz der Tunnelbohrmaschine vor Gestein, Sand und Wasser. Um Dichtungen herzustellen, die solch extremen Belastungen standhalten, benötigt man jahrzehntelange Erfahrungen. Die Mischungen sind streng geheim.

„Kautschuk hat große Zukunft“

Die Unternehmensgruppe Freudenberg, mit weltweit rund 32.000 Mitarbeitern eines der größten Familienunternehmen Deutschlands, ist in vielen Bereichen technisch vorn. Ein Motor der Innovation sind seit mehr als 70 Jahren die Labors der Freudenberg Forschungsdienste am Stammsitz in Weinheim (Baden-Württemberg). 220 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Geschäftsleiter Gerd Esswein sagt: „Werkstoffverbunde sind der Trend. Kautschuk und Kunststoff haben eine große Zukunft.“

Etwa im Fahrzeugbau. Will man ein Auto sinnvoll bewegen, dann zählt jedes Kilogramm. „Es macht einen Unterschied, ob es 1.200 oder 1.150 Kilo wiegt“, betont Esswein. Weniger Gewicht bedeutet mehr Präzision und Effizienz beim Fahren – besseres Lenken, Bremsen, Beschleunigen. Und: weniger Sprit.

Dazu passen die „mitdenkenden“ Luftfedern der Freudenberg-Tochter Vibracoustic in Weinheim: Luft wird in einem Balg komprimiert und federt so Stöße besser ab als Stahlfedern. Zudem kann das Auto durch die Luftfedern während der Fahrt abgesenkt werden, was bei höherem Tempo Sprit spart. Leichtbau wird überhaupt zu einer Kerndisziplin für die Entwicklung neuer Autos. Eine Chance für die Kautschuk- und Kunststoff-Industrie: Ihre Produkte sind leichter und billiger als Metall – und einfacher in komplexe Formen zu bringen. Sie werden, sagt Experte Esswein, an Bedeutung gewinnen.

Gummi-Schlauch im Computertomograf

Die Freudenberg-Forscher befassen sich zum Beispiel mit „dehnbarer Elektronik“, die nicht nur im Auto, sondern auch in der Medizintechnik Einzug halten wird. Will man heute die Funktionsweise von Organen überprüfen, muss dem Patienten sehr oft Blut abgenommen werden. Hautnahe Sensoren, zum Beispiel integriert in Textilien, können dies überflüssig machen. Und sensorische Schuh-Einlegesohlen können messen, ob ein Diabetiker an Unterzuckerung leidet.

Die Weinheimer Forscher arbeiten mit modernster Technik. Was die kann, demonstrieren die Mitarbeiter Frank Schultz und Philipp Kugler zum Spaß an einem Schoko-Überraschungsei. Ohne es zu öffnen, finden sie heraus, was drin ist – mit ihrem Computertomografen: Ein paar Mausklicks, und der Spielzeug-Wichtel ist auf dem Bildschirm – eine kleine Spielerei für den Besucher.

Normalerweise überprüfen die Experten mit dem drei Tonnen schweren Gerät, ob Werkstoffe und Bauteile vorgegebene Spezifikationen einhalten. Sind die Fasern eines Vliesstoffs gleichmäßig verteilt? Befinden sich im Innern eines Gussteils Lufteinschlüsse? Wo ist das Gewebe eines Gummischlauchs oder der gewickelte Draht einer Spule eingerissen? Und natürlich: Hält die Gummi-Dichtung von „Sissi“ beim Bohren durch den Gotthard?

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Unternehmen in diesem Artikel

Merkel Freudenberg Fluidtechnic GmbH

Freudenberg Gruppe

Vibracoustic GmbH & Co KG

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Vibracoustic GmbH & Co KG
Höhnerweg 2-4
69465 Weinheim

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