Pflege von Angehörigen

Der Folien-Hersteller Renolit hilft seinen Mitarbeitern mit einem Pflege-Fonds


Worms. Mehr als 100.000 Menschen gelten in Rheinland-Pfalz als pflegebedürftig. Tendenz steigend. Für immer mehr Angehörige bedeutet deshalb die Pflege neben dem Beruf oft über mehrere Monate hinweg eine doppelte Belastung. Tausende Berufstätige im Land sind davon bereits betroffen.

Der Folien-Hersteller Renolit in Worms greift seinen Mitarbeitern jetzt unter die Arme. Neben Gleitzeit können sie auf Wunsch bis zu zwölf Monate lang die Wochenarbeitszeit um maximal 50 Prozent reduzieren. Damit in dieser Zeit das Einkommen nicht ebenso stark sinkt wie die Arbeitszeit, stockt das Unternehmen das Restgehalt um bis zu 30 Prozent auf. „Betroffene brauchen mehr Zeit für diese Aufgabe“, sagt Personalleiter Siegfried Neumann. Schon ein oder zwei Stunden zusätzlich könnten oft eine enorme Entlastung bedeuten.

Bislang wurden individuelle Lösungen gefunden. Berater Wilfried Gutzler, Neumanns Vorgänger und Initiator der neuen Betriebsvereinbarung, weiß: „Oft scheuen sich die Mitarbeiter, den Wunsch überhaupt zu äußern.“ Damit soll nun Schluss sein.

Zusammen mit dem Gesamtbetriebsrat wurde die Regelung ins Leben gerufen. Sie gilt für alle rund 1.900 Renolit-Beschäftigten bundesweit und ist für das Unternehmen rechtlich bindend.

Das Geld dafür kommt aus einem eigens angelegten Pflege-Fonds. Dieser finanziert sich zum einen durch den Tarifvertrag „Lebensarbeitszeit und Demografie II“: Die Arbeitgeber zahlen seit 2013 bis 2015 jährlich rund 200 Euro pro Beschäftigten ein, zum Beispiel zum Auffüllen von Lebensarbeitszeitkonten.

Bei Renolit fließen 50 Euro davon in den Pflege-Fonds. „Weitere 50 Euro zahlt der Betrieb zudem freiwillig“, erklärt Gutzler. 100 Euro landen also pro Jahr und pro Mitarbeiter auf einem separaten Konto. Bei Bedarf kann sich jeder Betroffene melden. Über den Antrag entscheidet die Personalabteilung mit dem Betriebsrat. „Schnell und unbürokratisch“, sagt Gutzler.

Eine weitere Besonderheit: Die Unterstützung gilt nicht nur bei der Pflege von Eltern und Großeltern, sondern auch von Kindern und Lebenspartnern. „Schließlich kann jeder Mensch plötzlich schwer erkranken“, sagt der Fachmann. Ist der Topf leer, endet das Programm. Sollten Mittel übrig bleiben, wird rechtzeitig über eine weitere Verwendung entschieden.

Was hat eigentlich das Unternehmen davon? Personalchef Neumann: „In puncto Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist der Fonds ein Gewinn für alle Mitarbeiter. Aber auch für zukünftige Arbeitskräfte wollen wir als Arbeitgeber auf diesem Weg noch attraktiver werden.“

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