Hier wird schlank produziert

Der Flugzeughersteller Recaro beteiligt Mitarbeiter an Verbesserungen

Schwäbisch Hall. Rüdiger Manuel montiert gerade Flugzeugsitze in einer 4er-Reihe. Darin könnte schon bald eine ganze Familie Platz nehmen und in die Sommerferien starten. Dann ist eine 3er-Reihe dran, später wieder eine 4er und so weiter.

Jedes Flugzeug sieht anders aus, und jeder Zentimeter Platz wird genutzt, damit möglichst viele Menschen zu günstigen Preisen an ihr Ziel kommen.

90.000 Flugzeugsitze lieferte das Unternehmen Recaro Aircraft Seating im Jahr 2014 aus und ist damit der drittgrößte Hersteller auf dem Erdball. Davon kamen 30.000 aus dem Stammwerk in Schwäbisch Hall, das gleichzeitig Entwicklungszentrum ist. Hier werden alle neuen Produkte getestet.

Außer in Schwäbisch Hall produziert das Unternehmen an vier weiteren Standorten in aller Welt Flugzeugsitze oder Teile davon. Dennoch sind 1.000 Mitarbeiter von 1.900 am Stammsitz beschäftigt, dem Zentrum und Taktgeber des Unternehmens. „Eine bewusste Entscheidung für den Standort“, sagt Joachim Ley, Ressortleiter Einkauf und Produktion. Er ergänzt: „Die hohen Kosten sind eine Herausforderung, die Recaro mit immer mehr Effizienz in den Prozessen beantwortet.“

Als „Beste Fabrik 2015“ ausgezeichnet

„Lean“, also „schlank“, heißt das Mittel der Wahl. Recaro hat dafür ein eigenes System entwickelt, das Qualität, Kundenorientierung und Innovation umfasst und die Mitarbeiter optimal einbindet.

Dafür wurde das Unternehmen jetzt als „Beste Fabrik 2015“ ausgezeichnet. Der Preis wird gemeinsam von der Otto Beisheim School of Management, der Insead Business School und der Zeitschrift „Wirtschaftswoche“ verliehen. Was schlanke Abläufe im Alltag bedeuten, erklärt der Bereichsleiter Produktion, Zsolt Kulcsar.

Er zeigt auf eine Wand mit vielen Tabellen. Hier treffen sich jeden Morgen um 7.45 Uhr Mitarbeiter aus allen Bereichen: „In nur 15 Minuten besprechen wir die wichtigen Themen des Tages, legen fest, wer verantwortlich ist und bis wann eine Rückmeldung erfolgen soll. In den Tabellen wird das dokumentiert.“

Das Prinzip: Einfachere Probleme sollen zunächst auf der unteren Entscheider-Ebene gelöst werden, bevor die nächste Hierachieebene gefragt ist. Bei Recaro sind das die Schichtführer: Sie sind jeweils für eine Montagelinie verantwortlich. „Wenn dort etwa Material fehlt oder falsches angeliefert wird, dann soll das der Vorarbeiter selbstständig klären können“, so Kulcsar. Verbesserungen werden gemeinsam erarbeitet. Das geschieht außer bei den täglichen Besprechungen in Workshops, wo Mitarbeiter und Führungskräfte gemeinsam nach Lösungen suchen. Die werden dann auch umgesetzt. Beispiel ist der Arbeitsplatz, an dem Bora Balaban gerade Armlehnen nietet.

Den haben die Mitarbeiter selbst gestaltet: Alle Materialien liegen in einem Regal vor ihr auf Griffhöhe, links daneben wartet der nächste Auftrag. „Der Arbeitsplatz ist jetzt Standard“, sagt Kulcsar. Und Einkaufschef Ley ergänzt: „Nur wenn wir die Mitarbeiter zu 100 Prozent einbinden, können wir uns verbessern.“


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