JUNIOR-Wettbewerb

Der Duft der Freiheit


Welche Folgen es hat, wenn Schüler spielerisch eine Firma gründen

Köln/Berlin. Auf einer Geburtstagsfeier treffen sich zwei junge Frauen. Bald stellen sie amüsiert fest, dass sie das gleiche Parfüm aufgelegt haben … Was für andere Party-Gäste nur eine nette Anekdote geblieben wäre, wird für Patrick-André Wilhelm zur Geschäftsidee: Das gleiche Parfüm? Das muss doch nicht sein!

Zusammen mit zwei Schulfreunden gründet der Berliner Student 2008 den OnlineShop www.myparfuem.com – seitdem kann sich jeder aus verschiedensten Zutaten seinen persönlichen Duft zusammenstellen; einen  Flakon gibt es ab 35 Euro. Das kommt an: Die Firma hat inzwischen ein Dutzend Mitarbeiter, macht eine halbe Million Umsatz im Jahr. „Und wir schreiben seit dem Start schwarze Zahlen“, betont Wilhelm.

Anfängerglück? Nicht ganz. Schon während der Schulzeit hatte der heute 25-Jährige seine erste Firma mitgegründet – im Rahmen des Projekts „JUNIOR“.

Beteiligung steigt stetig

Dieser Wettbewerb lässt sich nicht etwa in einer Projektwoche abhaken: Ein Schuljahr lang geht es zur Sache – mit spielerischem Ernst wird das Wirtschaftsleben greifbar und der Nachwuchs mit unternehmerischem Denken vertraut gemacht.

Da gilt es zum Beispiel, Aktionäre für die eigene Idee zu gewinnen, Marktforschung zu betreiben, das Produkt zu verbessern, Kosten zu kalkulieren, Bilanzen zu erstellen, im Internet Präsenz zu zeigen – und so weiter und so fort.

Allein im laufenden Schuljahr haben fast 8.000 Schüler mitgemacht, rund 550 Nachwuchsfirmen gingen ins Rennen. „So viele waren es noch nie“, freut sich Marion Hüchtermann, Geschäftsführerin der gemeinnützigen JUNIOR-GmbH, „die Beteiligung steigt von Jahr zu Jahr.“

Ins Bundesfinale Mitte Juni in Köln haben es ganz unterschiedliche Firmen geschafft. Mit handfesten Produkten wie etwa einem Kinderkochbuch mit abwaschbaren Seiten, Wellness-Seife oder Sitzmöbeln aus Altreifen – und mit Dienstleistungen zum Beispiel aus dem Bereich Energiesparen.

Auch Parfüm-Unternehmer Wilhelm und seine Mitstreiter hatten es seinerzeit mit ihrem Projekt ins Bundesfinale geschafft: Sie boten an, Schallplatten, Kassetten & Co. gegen Entgelt zu digitalisieren.

Nebenwirkung? Teamfähigkeit!

Und sie fanden Kunden: „Das ging nach dem Wettbewerb noch etwa ein Jahr weiter“, sagt Wilhelm. „JUNIOR hat mir entscheidend geholfen, den Mut aufzubringen, eine richtige Firma zu gründen – als normaler Schüler weiß man ja gar nicht, wo man da anfangen soll ...“

Durchaus eine typische Wirkung, heißt es am Institut für Mittelstandsökonomie der Uni Trier. Es hat im Auftrag des Wirtschaftsministeriums untersucht, wie solche „Unternehmergeist-Projekte“ wirken. Ein Ergebnis: Vier von zehn befragten Teilnehmern neigen jetzt stärker dazu, sich selbstständig zu machen.

Auch wenn nur ein Bruchteil der Schüler dann tatsächlich zum Unternehmer wird: Nettere Kollegen werden viele! 62 Prozent meinen, dass sich ihre Teamfähigkeit verbessert hat. Und jeder zweite Teilnehmer findet, dass er in Sachen Kommunikation, Konfliktfähigkeit und Ausdauer dazugelernt hat.  

Info: Nachholbedarf im Osten

1994 hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) das Programm JUNIOR ins Leben gerufen. Mittlerweile haben sich daran schon mehr als 60.000 Schüler beteiligt. Die meisten Teilnehmer kamen auch dieses Jahr aus Baden-Württemberg und Bayern. In Ostdeutschland ist das Echo noch ziemlich gering – das soll sich nun ändern: JUNIOR eröffnet ein Regionalbüro in Berlin.

www.juniorprojekt.de

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