Technik

Der Dreh mit der Kugel


Hahn auf, Hahn zu: Bei der Firma Rudolf von Scheven läuft es gut – mit Absperrvorrichtungen

Sprockhövel. Kurbelst du noch am Wasserhahn – oder gießt du schon die Blumen? Die Antwort lässt tief blicken. Nämlich in den Wasserhahn hinein: Wenn beim Drehen der Strahl nur langsam stärker wird, dann arbeitet in der Sperrvorrichtung ein simpler Schieber. Muss man dagegen für den vollen Wasserdruck nur einen kleinen Griff um 90 Grad bewegen, dann hat man einen Kugelhahn.

Eben solche Absperrvorrichtungen stellt das Unternehmen Rudolf von Scheven in Sprockhövel her. Mit einem Unterschied: Sie sind oft viel größer als die einfachen Modelle für den Gartenfreund.

„Überall dort, wo etwas durchfließt, muss man auch mal absperren“, sagt Geschäftsführer Mathias Wullstein (38). „Für uns spielt es keine Rolle, ob es sich dabei um Flüssigkeiten, Gase oder pulverförmige Feststoffe handelt.“ Zu den Kunden des Familienunternehmens gehören der Baumaschinenhersteller Caterpillar ebenso wie die für Kreuzfahrtschiffe bekannte Meyer Werft.

Guter Ruf – auch in der Ferne

Die Westfalen beliefern auch Chemie-Konzerne, Ölmultis und Steinkohlebergwerke. Wullstein: „Es gibt weltweit kaum ein Bergwerk, in dem nicht unsere Kugelhähne zum Einsatz kommen.“

Kein Wunder, denn mit dem in den 70er-Jahren patentierten Sicherheitssperrgriff am Ventil begründete die kleine Firma ihren guten Namen: Ein cleverer Mechanismus mit Rückstellfeder arretiert den Kugelhahn, sodass er nicht unabsichtlich verstellt werden kann. Und dank immer leistungsfähigerer Kunststoffe für formstabile und präzise Dichtringe wurden die Produkte im Lauf der Zeit immer besser.

Dies sorgte dafür, dass der Umsatz des Betriebs, der heute 55 Mitarbeiter hat, stetig gestiegen ist – auf 10 Millionen Euro im letzten Jahr. Wobei das Gros der Produkte im Ausland Verwendung findet: Rechnet man auch die Exporte der Kunden hinzu, werden sieben von zehn Absperrungen außerhalb Deutschlands verkauft.

„Dieser Job ist nichts für Grobmotoriker“

Bei Scheven kennt man sich: Auf dem Werkgelände, so groß wie ein Fußballfeld, arbeiten Brüder zusammen, aber auch Väter und Söhne. Manch einer seit Jahrzehnten. Wie Maschinenführer Friedrich-Wilhelm Hagenbuck (63), der in diesem Monat sein 50-jähriges Dienstjubiläum feiert. Er hatte hier schon seine Lehre als Dreher gemacht: „Vor 50 Jahren hatten wir noch handgesteuerte Drehbänke. Jetzt läuft fast alles automatisch.“

Bei Andreas Apfelbaum in der Montage der Groß-Kugelhähne ist dagegen noch Handarbeit angesagt: Durch große Scheiben fällt das Sonnenlicht auf das ein Meter große Bauteil. Der 34-Jährige hat gerade den Dichtring eingesetzt: „Dabei brauchst du Ruhe und Gelassenheit. Du musst immer aufmerksam sein, damit du nichts beschädigst. Dieser Job ist nichts für Grobmotoriker.“

Und er fügt lachend hinzu: „Meine Kollegen sagen, ich hab Frauenhände. Aber die können ganz schön zupacken.“

 

Info: So entsteht ein Kugelhahn

Im Prinzip ist es ganz einfach: Man nehme eine Metallkugel, köpfe sie an den beiden Polen und bohre zwischen ihnen ein Loch mit dem Durchmesser des Wasserrohrs. Nun baue man die Kugel in ein Gehäuse, setze einen Bedienhebel drauf … Stopp! Am Ende nicht die Kunststoffdichtungen vergessen, die zwischen Kugel und Gehäuse gehören. Erst nachdem sie in den 50er-Jahren auf den Markt kamen, wurde der Kugelhahn erfunden.

 

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