Kunststoff

Der Dichtstoff Thioplast von AkzoNobel macht Flieger sicher


Greiz. Ob 50 Grad plus auf dem Rollfeld in Abu Dhabi oder minus 50 Grad auf zehn Kilometer Reiseflughöhe: Die Tanks in unseren Flugzeugen sind dicht. Dass das so ist, auch nach 20 Jahren Flugzeit, dazu trägt ganz wesentlich das Kunststoffwerk des niederländischen AkzoNobel-Konzerns in Thüringen bei.

Die Fabrik (150 Mitarbeiter) produziert jährlich 18.000 Tonnen Thioplast, die Grundlage für den Dichtstoff. Dieser geht zum Großteil in die Produktion von Isolierglas-Fenstern sowie in den Bau von Schiffen, Industrieanlagen, Tankstellen – und Flugzeugen.

Mit dem aus Thioplast gewonnenen gummiartigen Dichtstoff werden die zunächst nur genieteten Flügel, in denen das Flugbenzin gespeichert ist, zusätzlich innen versiegelt. So kommt garantiert kein Tropfen durch: Das Material widersteht Hitze, Kälte sowie mechanischer Beanspruchung.

Die Produktion läuft das ganze Jahr über auf Volllast

Thioplast ist der Markenname, die chemische Bezeichnung ist Polysulfid. „Für das Produkt Thioplast beträgt unser Weltmarkt-Anteil über 50 Prozent“, berichtet Dirk Stöppler, der Werkleiter. Thioplast herzustellen, sei kompliziert. „Es ist ein mehrstufiger, energieintensiver Prozess.“

Die Aus­gangs­che­mikalien reagieren zunächst in Destillationskolonnen der sogenannten Diformal-Anlage miteinander. Durch Zugabe eines Salzes und diverser Additive entsteht in weiteren Schritten das flüssige Thioplast. „Zwischendrin muss das Gemisch oft gewaschen werden“, erklärt Stöppler. Wegen des vielen Waschwassers verfügt das Werk über zwei Kläranlagen.

Weil das Produkt begehrt ist, wird rund um die Uhr in Volllast produziert – abgesehen von zwei mehrtägigen Stillständen im Jahr zum Warten der Anlagen.

Von Greiz aus beliefert AkzoNobel Functional Chemicals Länder in der ganzen Welt mit der Spezialität. Zu der guten Marktposition trage auch der Kunden-Service bei, betont Stöppler: „Unsere Forscher und Techniker helfen den Firmen, das Endprodukt je nach Verwendungszweck zu optimieren.“

Der hohe Energieverbrauch bei der Produktion von Thioplast zwingt dazu, immer nach Einsparmöglichkeiten zu schauen. Jeder Cent mehr pro Kilowattstunde summiert sich hier auf sechsstellige Beträge im Jahr. Deshalb ist die EEG-Umlage für die Förderung von Ökostrom eine enorme Belastung. In der aktuellen Diskussion darüber wünscht sich Stöppler „eine Regelung, die es Betrieben erleichtert, im Wettbewerb zu bestehen und die Jobs zu sichern“.

Zumal das Werk, direkt am Fluss Weiße Elster gelegen, gerade Extra-Kosten in Millionenhöhe zu bewältigen hat: Das Hochwasser im letzten Juni überflutete die 26 Hektar des Standorts fast zur Hälfte. 15 Gebäude müssen nun von Grund auf saniert werden, darunter auch die Forschungslabors.

Schon gewusst?

Foto: dpa
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Warum der Kunststoff Thioplast so gut dichtet

  • In Konsistenz und Farbe gleicht der Kunststoff Thioplast zähflüssigem, klebrigem Honig.
  • Thioplast (chemische Bezeichnung: Polysulfid) besteht aus einer Vielzahl von langen, miteinander verschlungenen Molekülketten aus Kohlen-, Wasser-, Sauerstoff und Schwefel.
  • Damit eine elastische, gummiartige Dichtmasse entsteht, muss der Schwefel im flüssigen Thioplast mit Sauerstoff reagieren. Dabei werden die langen Molekülketten miteinander vernetzt.
  • Thioplast-Dichtstoff wird als Ein- oder Zweikomponentenmasse ausgeliefert. Letztere hat den Vorteil, dass sich Zeitpunkt und Grad der Aushärtung genau „einstellen“ lassen.

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