Smarte Technik mit Touch

Der deutsche Elektronikspezialist Rafi produziert, was sonst nur in Asien gefertigt wird

Ravensburg-Berg. Wenn Gerhard Schenk heute gefragt wird, warum er in Deutschland ein Produkt fertigt, das sonst nur noch in Asien hergestellt wird, dann ist der Rafi-Chef sich ganz sicher: „Das war genau die richtige Entscheidung. Diese Investition wird sich lohnen.“

Es sind Touchscreens, wie sie die meisten vom Smartphone oder Tablet-Computer kennen. Sie reagieren auf Fingerberührungen, und hinter der Glasoberfläche steckt ganz viel Technik: Sensoren, die jede Berührung an die Elektronik dahinter weiterleiten. Der Umgang damit ist im Privatleben längst Alltag: „Was bei den Konsumenten akzeptiert ist, kommt mit Verzögerung auch in der Industrie an“, erklärt dazu Carmen Hanser.

Sie ist bei dem Unternehmen in Berg bei Ravensburg mitverantwortlich für das ehrgeizige Projekt, solche Touchscreens für professionelle Anwendungen anzubieten.„Sie müssen so einfach zu bedienen sein wie beim Smartphone und doch den Anforderungen in der Industrie standhalten“, sagt Hanser. Das sind zum Beispiel extreme Temperaturen zwischen minus 40 und plus 85 Grad Celsius, Staub oder Erschütterung.

Eingebaut werden solche Steuerungen beispielsweise in medizinische Geräte, in Kaffeeautomaten von WMF oder in Industrie-Computer von Siemens, mit denen unter anderem Fräs- oder Drehmaschinen gesteuert werden.

„Wir brauchen eine andere Qualität als die aus der Massenproduktion in Asien, und wir brauchen kleinere Stückzahlen“, begründet Geschäftsführer Schenk die Entscheidung, diese Bedienelemente im Stammwerk zu entwickeln und zu fertigen.

Außerdem sind diese Touchscreens mit bis zu 24 Zoll Diagonale (etwa 60 Zentimeter) größer als die üblichen, und die Technik ist komplexer. So muss die Elektronik erkennen, ob tatsächlich ein Finger auf die Fläche tippt oder ob Flüssigkeit darauftropft. Ebenso müssen es die Sensoren fühlen, wenn ein Mitarbeiter seine Hand auf dem Display einfach nur abstützt.

„Die Elektronik darf nur die vom Bediener tatsächlich gewünschten Reaktionen auslösen“, erklärt Ingenieurin Hanser. Um alles erfüllen zu können, hat das Unternehmen, das auf Mensch-Maschine-Kommunikation spezialisiert ist, eine eigene Fertigungslinie aufgebaut.

„Die Kernkompetenz dazu hatten wir bereits im Haus“, sagt Schenk. Rafi beschäftigt im Stammwerk in Berg rund 1.000 Mitarbeiter, weltweit sind es mehr als 2.000.

Zum Umsatz von rund 350 Millionen Euro trägt das neue Produkt bisher noch wenig bei. Doch das wird sich in Zukunft ändern. „Wir treffen damit genau den Bedarf unserer Kunden“, sagt Schenk.

Das Projekt mit dem Namen „Glasscape Touchscreen-Sensor“ startete 2012 und schaffte es schon in diesem Jahr zur Serienproduktion. Schenk: „Und die Nachfrage steigt kontinuierlich.“


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