Design

Der das Rad neu erfindet


Mit Liebe zum Detail: Paul Schneider arbeitet für die bereits 124 Jahre alte Firma Rösle im Allgäu. Foto: Puchner
Preisgekürt: Das neuartige, von Schneider perfektionierte Pizza-Rad erhielt den „red dot award“. Foto: Puchner

Wie ein Entwickler von Küchengeräten auf Ideen kommt

Marktoberdorf. Inspirierendes findet er überall: ob im Baumarkt bei den Metallbeschlägen, an Seifenschalen in der Badabteilung oder in einer Kneipe, wo ein Raucher seine Pfeife stopft. Paul Schneider (45) saugt seine Umwelt förmlich in sich auf – und lässt diese Beobachtungen in die Produkte seines Arbeitgebers einfließen.

Perfektion am Computer

Der Feinmechaniker und Maschinenbau-Techniker Schneider arbeitet bei der Allgäuer Firma Rösle (90 Mitarbeiter) in Markt-oberdorf als Produkt-Entwickler: Er ist prägend für Technik, Funktion und Ergonomie edler Küchenhelfer. „Man gibt seine Gedanken zum aktuellen Projekt nicht an der Stempeluhr ab“, sagt er trocken. Und so ist zum Beispiel der Pfeifenstopfer, den er nach Feierabend in Aktion erlebte, am Ende zum Vorbild für eine von Rösle massenhaft produzierte Grill-Reinigungsbürste geworden.

22 Millionen Euro hat das Unternehmen letztes Jahr mit seinen kleinen Helfern umgesetzt, mit rund drei Millionen Stück. Der aktuelle Katalog umfasst 500 Artikel. Und sie kommen an – wie etliche Design-Preise belegen. Kürzlich erhielt etwa ein neues Pizza-Rad den begehrten „red dot award“.

Oft kommen die ersten Impulse für ein neues oder zu überarbeitendes Produkt von externen Design-Büros, Erfindern, Profi-Köchen oder Kunden. In dem Fall des schnittigen Pizza-Rads lieferte ein amerikanischer Designer die Grundidee. Der Marketingleiter von Rösle, Markus Neubauer, war angetan – und so landete der Erst-Entwurf auf dem Computer des Entwicklers  Schneider.

Der verpasste ihm dort mehr als nur den letzten Schliff: Er setzte auf Edelstahl statt Kunststoff, auf ein robustes Scharnier – und auf eine rundum freilaufende Klinge. Sie ist im Gebrauch sicher verschlossen und kann über einen Drehknopf zum Reinigen komplett entnommen werden, Rösle hat sie patentieren lassen.
Es bleibt weniger Belag hängen als am normalen Pizza-Roller, führt Schneider aus. „Und weil das Pizza-Rad dickwandiger ist und ergonomischer in der Hand liegt, passt es auch Links- wie Rechtshändern. Zudem ist es mit nassen Fingern sicher zu greifen.“

Bereits seit 2003 tüftelt der Entwickler, der privat gerne am Herd steht, an Haushaltswaren. Er bilanziert: Die Komplexität der Produkte nehme zu. Mit 3-D-Animationen könne man heute ausgefallene Formen konstruieren, die früher undenkbar waren.

Vom 19-Tonner zum Schneebesen

Vor seiner Tätigkeit bei Rösle, so erzählt Schneider, habe er Sägeband-Fräsmaschinen konstruiert. „Die waren zum Teil 19 Tonnen schwer.“ Der Wechsel zu so zierlichen Geräten wie Schneebesen und Grillbürsten sei für ihn „ein Sprung ins kalte Wasser gewesen“. Aber dass seine Erfindungen jetzt tausendfach in Benutzung sind, freut ihn. „Das ist mein Traumjob“, sagt er.

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Meine Arbeit

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Wohl durch meine Mutter, die für unsere achtköpfige Familie viel gekocht hat. Zudem hatten meine Eltern bei Heidelberg einen Obst-und Gartenbaubetrieb.

Was reizt Sie am meisten?

Die Präzision, mit der ich an den Küchengeräten arbeiten kann. Und deren überraschende Vielseitigkeit, die meinen Job prägen.

Worauf kommt es an?

Mit offenen Augen durch den Alltag zu gehen. Und bereit zu sein, sich auch privat ein paar Gedanken zu offenen Fragen aus der Arbeit zu machen.

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