Rohstoffe

Der Cracker von Dow in Böhlen liefert Rohstoffe für die mitteldeutsche Kunststoff-Industrie


Böhlen. Als Andreas Zettelmann 1974 zum ersten Mal seinen Fuß auf das Werkgelände setzte, war er ziemlich aufgeregt. Die Hochschule hatte den Ingenieur-Studenten freigestellt: „Ich sollte beim Neubau eines Crackers helfen.“ Die in Böhlen entstehende Anlage sollte damals die Chemie- und Kunststoff-Betriebe in der Region um Leuna und Schkopau stabil mit wichtigen, aus Erdöl gewonnenen Grundstoffen versorgen. Das macht der riesige Anlagen-Komplex in Sachsen, der seit 1995 zur amerikanischen The Dow Chemical Company gehört, heute noch. Er ist bestens in Schuss – und der leitende Ingenieur Zettelmann längst gelassen. Nahezu 40 Jahre arbeitet er nun hier, kennt hier jedes Teil und wohl auch jeden der 550 Mitarbeiter.

„Beim Cracken werden große Moleküle von Naphtha, einer Fraktion des Rohöls, oder Flüssiggas in kleinere gespalten“, erklärt Zettelmann. „Das passiert bei über 800 Grad Celsius in unseren 15 Brennöfen.“ Explodieren könne nichts, weil in dem Prozess kein Sauerstoff vorkommt. Alle Verfahren sind mehrfach abgesichert; sollte etwas schieflaufen, wird automatisch gestoppt. „Mittels Kondensation werden die Stoffe voneinander getrennt, dann gereinigt“, schildert Ingenieur Zettelmann die Arbeitsschritte.

„Der Cracker ist die Rohstoffquelle für die Standorte des mitteldeutschen Olefinverbunds“, erklärt Neldes Hovestadt, der Standortleiter von Böhlen. Endprodukte sind nach einigen Verarbeitungsetappen zum Beispiel die Stoffe Ethylen, Propylen, Butadien, Benzol.

Die Anlage produziert rund eine halbe Million Tonnen Ethylen im Jahr

Pro Jahr produziert der Cracker rund eine halbe Million Tonnen Ethylen. Rund 60 Tonnen des farblosen Gases gehen stündlich per Pipeline in die Dow-Standorte Schkopau und Leuna. Dort wird es zu Polyethylen weiterverarbeitet, einem der meistverwendeten Kunststoffe der Welt. Und: Hier produzieren Dow und weitere Firmen daraus verschiedene Kunststoffprodukte.

„Der Cracker ist ausgelastet“, berichtet Hovestad. „Trotz der teuren Energie hierzulande haben wir die Kosten im Griff.“ Damit das so bleibt, wird die riesige Anlage ständig verbessert. „Allein in die Sicherheit investieren wir jährlich zwischen 3 und 5 Millionen Euro.“

Ein Trumpf im Wettbewerb sei zudem die Mannschaft, lobt der Niederländer Hovestad. „Teamgeist, Erfahrung und Identifikation mit dem Job sind spitze.“

Bei alldem kommt die Umwelt nicht zu kurz: Aktuell steckt Dow 3,5 Millionen Euro in einen Nachverbrenner. Der soll den Ausstoß von Kohlenmonoxid tief unter den Grenzwert drücken.

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