Motossport

Der Chef in der Box


Hermann Recker leitet das Mechaniker-Team von Abt und Audi bei den Deutschen Tourenwagen Masters

Nürnberg/Kempten. Der Countdown läuft: Am Sonntagnachmittag des 29. Juni drehen wieder die Motoren auf. Dann fällt der Startschuss für das Saison-Highlight der Deutschen Tourenwagen  Masters (DTM), das Rennen am Norisring, und hält Fahrer und Fans 74 Runden lang auf über 170 Kilometern in Atem.

Auch für Hermann Recker von Abt Sportsline gilt jetzt: „Volle Konzentration und sekundenschnelle Aktion, weil auf der Piste keine Zeit ist zum Überlegen!“

Es geht um Zehntelsekunden

Recker ist Werkstattleiter in der DTM-Abteilung von Abt Sportsline, einem Spezialisten für Fahrzeugveredelung, unter anderem für die Marken Audi und Volkswagen. Das Kemptener Familienunternehmen engagiert sich aber auch seit zwölf Jahren erfolgreich im Rennsport für Tourenwagen. Seit 2004 stellt Abt mit Spitzenfahrern wie Mattias Ekström das Audi-Werkteam für die DTM, das sich 2007 bereits zum zweiten Mal den Titel holte.

Recker zieht die Fäden hinter den Kulissen: Der 33-Jährige ist verantwortlich für den gesamten technischen und logistischen Ablauf in der Boxengasse. „Das geht los mit dem Transport von Werkzeug, Reifen, Ersatzteilen, dann weiter mit dem Aufbau der Box, bis hin zu den Trainings und Funktionstests“, schildert der Insider.

Roter, feuerfester Anzug, Funkkopfhörer – und die Nerven gespannt wie Drahtseile: Auf der Piste steht Recker als sogenannter „Lollipop-Mann“ unter Strom. Wenn er mit seinem langstieligen Schild den Rennfahrern den Boxenstopp signalisiert, sieht er sie mit immerhin noch 80 Stundenkilometern auf sich zukommen. „Steht der Wagen, muss alles wie am Schnürchen laufen: Auftanken, Reifenwechsel – und das ,Go’ für die Weiterfahrt“, so Recker.

Dafür hat er seinem 13 Mann starken Boxenstopp-Team zuvor detailgenaue Anweisungen gegeben. Denn wie hinter dem Steuer geht es auch hier um Zehntelsekunden, die dem Fahrer zu einem Vorsprung verhelfen können. Etwa im letzten Lauf, dem Rennen in der Lausitz: In der Box habe Timo Scheider aus dem Audi-Team den Mercedes-Fahrer Bruno Spengler „überholt“, berichtet Recker stolz.

„Aus jedem das Beste herausholen“

Selbst einmal an der Stelle der gefeierten Erfolgsfahrer zu sitzen, war jedoch nie Reckers Traum: „Im Rampenlicht zu stehen, ist nicht so mein Ding.“

1998 zu Abt gekommen, stieg er 2005 zum Leiter der Werkstatt auf. Und hier ist er in seinem Element: „Aus jedem Kollegen das Beste rauszuholen und die Mannschaft als Ganzes nach vorne zu bringen, das macht mir einfach riesigen Spaß!“ Für den erneuten Sieg von Audi und Abt gibt er Vollgas, ganz klar.

Christine Arnold

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