Den richtigen Weg finden

Der Berufswahlkompass Metall hilft Jugendlichen, Entscheidungen für die Zukunft zu treffen


Friedrichshafen. Feilen, messen, feilen. Konzentriert bearbeitet Melanie Schall eine Aluminiumplatte, die sie in einen Schraubstock eingespannt hat. An drei Nachmittagen soll daraus ein kleines Spielbrett entstehen, mit passgenauen Löchern als Felder für die Spielstifte.

Heute ist die 13-Jährige zum zweiten Mal in die Wissenswerkstatt gekommen, zusammen mit 13 Mitschülern von der Graf-Soden-Realschule in Friedrichshafen. Die Achtklässler beteiligen sich am Berufswahlkompass Metall.

Das ist ein Projekt, das Jugendlichen erste Berufspraxis und Kompetenz für die richtige Berufswahl vermittelt, in Zusammenarbeit mit Metall verarbeitenden Betrieben und der Wissenswerkstatt Friedrichshafen, einer Einrichtung zur Nachwuchsförderung im Bereich Technik. „In dem Alter sehen sich die Schüler nur mit den Noten“, sagt Projektleiterin Hanim Heim von der Berufliche Bildung gGmbH (BBQ) in Ravensburg: „Es geht darum, dass sie erkennen, was sie können, und sie zu stärken.“

BBQ koordiniert und begleitet den Berufswahlkompass Metall, der vom Arbeitgeberverband Südwestmetall und der Agentur für Arbeit finanziert wird. Denn die Zahl der Schulabgänger geht zurück und der Bedarf an Fachkräften in technischen Berufen wächst.

Freiwilligkeit ist dabei Trumpf, schließlich wird den Jugendlichen beim Berufswahlkompass Metall zwei Jahre lang neben der Schule viel Engagement abverlangt. Dafür erhalten sie die Chance, gut vorbereitet und im Vertrauen auf die eigenen Stärken die Weichen für die berufliche Zukunft zu stellen.

40 Prozent der Teilnehmer sind in einen Metall- oder Elektroberuf gegangen

Bei einem Fähigkeiten-Parcours konnten die Achtklässler zu Beginn des Schuljahrs herausfinden, ob das Projekt etwas für sie ist. Einen Vormittag lang wurden technische Fertigkeiten getestet, so mussten etwa Schrauben, Muttern und Unterlegscheiben zueinanderpassend geordnet werden.

„Das hat Spaß gemacht, und ich dachte mir: ‚Ich kann’s ja mal ausprobieren‘“, sagt Melanie. Während sie und sieben Jungs die Aluminiumplatten sauber zum Quadrat zurechtschleifen, programmiert der Rest der Gruppe nebenan ein selbst zusammengebautes Lego-Roboterfahrzeug.

Wie Melanie wissen auch die meisten Jungs noch nicht genau, wo es beruflich einmal langgehen soll. „Deshalb bin ich auch hier“, sagt der 13-jährige Sladan Miskovic: „Um zu sehen, was meine Stärke ist.“

Die Metall-, Elektro- und Schweißkurse in der Wissenswerkstatt sind ein Baustein des Projekts. Im Januar steht unter anderem ein Besuch bei dem Motorenbauer Tognum in Friedrichshafen auf dem Programm. Bis Mai werden die Jugendlichen drei bis vier Betriebe besucht haben, danach entscheidet sich, wer wo ein Praktikum absolviert.

Wie viele den Berufswahlkompass am Ende auf „Metall“ einstellen werden, ist offen. Nach dem ersten Projekt an einer Hauptschule in Friedrichshafen hätten sich 40 Prozent der Teilnehmer für einen Metall- oder Elektroberuf entschieden, sagt Projektleiterin Heim.

Melanie und die Jungs kehren die Metallspäne zusammen. Schluss für heute.

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