Schnell geliefert

Der Bandweber Günther & Windrath fertigt jedes Jahr fünf Millionen Namensetiketten

Eigentlich sind sie ein Allerweltsprodukt: Namensetiketten für Kleidung. Dennoch schwören Altenheime und Krankenhäuser auf die Etiketten des Familienbetriebs in Schwelm. Grund: Er liefert binnen 24 Stunden nach Bestellung.

Erfolgreich: Geschäftsführerin Astrid Puschendorf mit Etiketten und Paramenten (rechts). Foto: Roth

Erfolgreich: Geschäftsführerin Astrid Puschendorf mit Etiketten und Paramenten (rechts). Foto: Roth

Am laufenden Band: Die Etiketten entstehen auf acht Webmaschinen. Foto: Roth

Am laufenden Band: Die Etiketten entstehen auf acht Webmaschinen. Foto: Roth

Ein Berg Arbeit: Gabriele Frowein, Petra Götiker-Lukas und Ulrike Fuß (von links) sortieren fertige Bänder. Foto: Roth

Ein Berg Arbeit: Gabriele Frowein, Petra Götiker-Lukas und Ulrike Fuß (von links) sortieren fertige Bänder. Foto: Roth

Schwelm. Wenn’s piept, weiß Hayrettin Circioglu, dass es Arbeit gibt: „Meist erkenne ich an der Handschrift auf dem Bestellformular, welcher Kunde das ist“, sagt der 47-Jährige.

Gerade summt eine neue Order aus dem Fax in der Auftragsannahme der Bandweberei Günther & Windrath in Schwelm bei Wuppertal. Circioglu hakt die Daten ab: Name Helga Schmidt, Schriftzug, Buchstabengröße und -art, Farbe und Anzahl des bestellten Etiketts. „Alles da“, sagt der Versandleiter und schaut auf die große Uhr an der Wand: 10.40 Uhr. „Alles, was vor 11 Uhr an Aufträgen kommt, geht heute raus.“

Heute bestellt, morgen geliefert. Das ist die Stärke des Bandwebers aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis: „Etikettenweben kann man auch in Fernost. Aber binnen 24 Stunden liefern, das können nur wir“, sagt Geschäftsführerin Astrid Puschendorf.

Für ihre Kunden ist dieser Zeitfaktor wichtig – im doppelten Sinne. Alten- und Pflegeheime bräuchten oft in wenigen Stunden Namensetiketten, um Kleidung von Neuankömmlingen zu kennzeichnen: „Außerdem bestellen viele Klebeetiketten. So sparen sie sich das zeitaufwendige Einnähen.“

Auf den acht Jaquardwebmaschinen laufen jährlich fünf Millionen Etiketten. Gut zwei Millionen sind Patch-Etiketten. Die schmalen Streifen aus Polyester werden mit speziellen Klebstoffen versehen und durch Thermotransferpressen aufs Textil geklebt – eben „gepatcht“.

Ein Arbeitsgang, der auch vor Ort in den Heimen ablaufen kann. „Wir verkaufen deshalb auch die Pressen und übernehmen den Service“, erklärt die junge Geschäftsführerin. Ihr Kalkül: Zusätzlichen Service bieten und dazu die passenden Polyesteretiketten liefern.

Klebeetikett trotzt Waschgängen

Sie entwickelt der Bandweber ständig weiter. Um den Tragekomfort zu verbessern, haben die Schwelmer die Web- und Patch-Technologie kombiniert. Heraus kam ein anschmiegsames Etikett. Robust genug, um den Waschgängen in Großwäschereien zu trotzen.

So viel Know-how steckt im Etikett für Helga Schmidt zwar nicht. Dafür liegt es am Nachmittag als 100er-Band verpackt vor Hayrettin Circioglu. Bereit zum Versand!


Historische Technik für Kirchenmode

Blick in die Vergangenheit: Hayrettin Circioglu am Holzwebstuhl. Foto: Roth
Blick in die Vergangenheit: Hayrettin Circioglu am Holzwebstuhl. Foto: Roth
  • Auf dem 100 Jahre alten Holzwebstuhl entstehen Paramente – gewebte Bänder für Priestergewänder.
  • Vorteil der historischen Technik: Die eingewebten, vergoldeten Lurexfäden verdrehen sich beim Weben nicht. Dadurch bleibt die glänzende Oberfläche erhalten.
  • Die Paramente exportieren die Schwelmer nach Großbritannien oder sogar nach Australien.

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