Warum Schweini jetzt besser trifft

Der Ball zur WM in Brasilien kommt aus den Labors von Bayer MaterialScience

Dormagen. Geliebt, gehasst, geküsst, getreten: Mit dem Anpfiff zur Fußballweltmeisterschaft in Brasilien am 12. Juni richten sich alle Augen auf „Brazuca“ – so heißt der bunte Spielball offiziell. Seinen Namen, der das Lebensgefühl des Landes beschreibt, verdankt er brasilianischen Fans. Seine Professionalität dagegen Wissenschaftlern des Chemie-Konzerns Bayer MaterialScience im rheinischen Dormagen.

Zwar ist der Ball immer noch rund, aber längst nicht mehr aus Leder. „Seit der Fußballweltmeisterschaft in Mexiko 1986 ist er komplett aus Kunststoff“, sagt Professor Andreas Groß vom Fraunhofer Institut für Fertigungstechnik und angewandte Materialforschung in Bremen. Bei jeder neuen Ballgeneration kommen seitdem innovative Werkstoffe zum Einsatz: „Sie sorgen für eine immer höhere Schussgeschwindigkeit und verbesserte Flugeigenschaften.“

Jeder WM-Ball muss konstant rund, 440 Gramm schwer, 69 Zentimeter im Umfang und wasserfest sein. So lässt er sich schnell ersetzen, wenn etwa begeisterte Fans die Kugel nach einem Fehlschuss auf die Tribüne nicht mehr herausrücken. Einen Blick in die Produktion gibt’s hier: bit.ly/aktiv-brazuca.

Messi, Casillas und Schweinsteiger haben die Kugel schon getestet

Zweieinhalb Jahre tüftelten die Bayer-Forscher an der Hightech-Kugel – zusammen mit dem Sportartikel-Hersteller Adidas. Aus Dormagen stammen die Rohstoffe für die Hülle: „Sie verleiht dem Ball seine Eigenschaften“, erläutert Groß.

Die Balloberfläche setzt sich aus sechs Teilen zusammen, die „wie Propeller mit vier Rotorblättern aussehen“, beschreibt es der Experte. Jedes Teil besteht aus fünf Schichten, die insgesamt nur 1,1 Millimeter dick sind.

Die äußere Schicht besteht aus dem Bayer-Werkstoff Impranil. „Der verhindert den Abrieb“, so Groß. Darunter schützt das gleiche Material vor Wasser und hält den Ball elastisch.

Auch das „Herzstück“ sitzt in einer Zwischenschicht: ein Spezialschaum aus Polyurethan mit integrierten Mikrokügelchen. Groß: „Sie geben dem Ball auch nach dem härtesten Tritt blitzschnell seine runde Form zurück.“ Im Inneren besteht er aus einer luftgefüllten Latexblase, die mit einem Textilgewebe umhüllt ist. Eine Klebschicht verbindet ihn mit den synthetischen Schichten.

600 Profispieler, darunter Lionel Messi, Iker Casillas und Bastian Schweinsteiger, haben das Spielgerät bereits gestreichelt und malträtiert: Kommt der Ball auf Touren? Verformt er sich? Lässt er sich kontrollieren? Fliegt er stabil oder flattert er? Letzteres war in der Vergangenheit mal ein Problem: „Das lag an der zu glatten Oberfläche“, so Groß. Dann bilden sich Luftwirbel hinter der Kugel. „Deshalb ist das Material jetzt rauer als bei früheren Modellen.“

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