Mikrometergenau

Der Auto-Zulieferer Stüken fertigt in seiner neuen Fabrik kleinste Teile hochpräzise

Rinteln. Weißer Kittel, weiße Handschuhe: Dennis Rost arbeitet seit fast zwei Jahren in einem Reinraum, den der Autozulieferer Stüken in seinem neuen Werk im Süden von Rinteln (Weserbergland) eingerichtet hat. Er prüft kleine Komponenten, Tiefziehteile, nach dem Waschen auf Sauberkeit.

„Mit dem Mikroskop erkennt man selbst kleinste Schmutzpartikel“, erklärt der 32-Jährige. „Im Reinraum können wir ausschließen, dass sie aus der Luft stammen.“ Ist die Stichprobe fehlerfrei, wird die komplette Charge abgewogen und vakuumverpackt.

Die Zeichen stehen auf Wachstum

Die Mini-Komponenten werden etwa in ABS-System, Bremse, Kraftstoffpumpe, Lampe und Klimaanlage verbaut – und die Kunden erwarten Präzision im Bereich von Mikrometern, also tausendstel Millimetern.

Insgesamt fertigen hier 65 Mitarbeiter im Drei-Schicht-Betrieb Artikel mit hoher Stückzahl. Und es wird eben auch geprüft und in mehreren Stufen gereinigt. So wird in der „Wirbelstrom-Prüfanlage“ die Oberfläche von Teilen mit Sonden hochauflösend gescannt, etwa auf nichtmetallische Einschlüsse. „Wir hatten noch keine Kundenreklamation, aber viel positives Feedback“, betont der kaufmännische Geschäftsführer Hubert Schmidt. Die Fehlerquote liege unter einem Teil pro eine Million Teile.

Es sind neue Technologien wie das Wirbelstromprüfen oder auch Elektropolieren und Randschichthärten, die Stüken an die Weltspitze gebracht haben. Dabei war der Neubau in Rinteln aus der Not geboren: Die Kapazitäten im Stammwerk im Norden der Stadt waren ausgeschöpft, also erwarb man 105.000 Quadratmeter „grüne Wiese“. Und musste sich der Frage stellen: Warum nicht in Rumänien?

„13 Millionen Euro in den Standort Rinteln und damit gegen den Trend zu investieren“, sagt der technische Geschäftsführer Uwe Krismann, „hängt mit unseren hohen Qualitätsansprüchen und dem Bedarf an Fachkräften zusammen. Beides erfüllt sich nur hier.“ Die Zeichen stehen auch künftig auf Wachstum: Auf dem Gelände ist mittelfristig ein Erweiterungsbau für Montagearbeiten und eine neue Fertigungskette geplant.

Das neue Werk nach dem Konzept der „schlanken Produktion“ soll als Modell für die Firmenstandorte in China, Tschechien und den USA dienen. Und es stößt auch außerhalb des Unternehmens auf Interesse. So trafen sich hier kürzlich 20 Teilnehmer des „Innovationskreises Automobilzulieferer“.

Netzwerk für Erfahrungsaustausch

Der Kreis aus Vertretern der Metall- und Elektro-Industrie sowie Kautschuk-Experten kommt dreimal jährlich in einem Betrieb oder Forschungsinstitut zusammen. Man diskutiert technische Entwicklungen, Branchentrends und Optimierungspotenziale und tauscht Erfahrungen aus. Die Verbände NiedersachsenMetall und ADK sowie die Industrie- und Handelskammer Hannover organisieren die Treffen.


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