Kein Pardon für Fälscher

Der Armaturenhersteller Hansgrohe geht konsequent gegen Produktpiraterie vor

Schiltach. Original oder Kopie – das ist auf den ersten Blick oft kaum zu unterscheiden. Carmen Vetter hält zwei Brausen hoch, eine davon ist ein Plagiat, aufgespürt in einem Baumarkt in Polen.

Vetter leitet die Abteilung Schutzrechte bei dem Armaturen- und Brausenhersteller Hansgrohe SE in Schiltach. Das Schwarzwälder Unternehmen steht für innovative Technik, Design und Nachhaltigkeit. Die Brausen und Wasserhähne der Marken Hansgrohe und Axor sind vielfach dekoriert mit angesehenen Preisen wie etwa dem „Red Dot“. Sie finden sich in Prestigeprojekten wie dem Kreuzfahrtschiff „Queen Mary II“ oder dem Wolkenkratzer Burj Khalifa in Dubai oder auch im Bundeskanzleramt in Berlin.

Was so erfolgreich ist, wird gerne und oft kopiert. Hundertfach werden Jahr für Jahr die Produkte des Innovationsführers der Sanitärbranche nachgemacht. Jedes Plagiat schadet Hansgrohe. „Wir schätzen, dass uns 10 Prozent des Umsatzes durch Fälschungen verloren gehen“, so Vetter. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz des weltweit agierenden Unternehmens bei rund 874 Millionen Euro. Doch nicht allein der monetäre Verlust schmerzt: „Es schadet auch unserem Image, wenn Kunden eine Fälschung erwischen und das Produkt ihre Erwartungen nicht erfüllt.“

Das ist in aller Regel der Fall, denn Fälscher verwenden oft minderwertigeres Material und erfüllen meist auch nicht die hohen Standards bei der Verarbeitung. Unzufriedene Kunden wenden sich dann an die Firma – und so fliegt der Schwindel häufig auf. Doch Hansgrohe geht auch systematisch und mit hohem Aufwand gegen den Ideenklau vor.

Mit rund 17.000 Schutzrechten sichert der Premiumhersteller seine Produkte ab. Mehrere Millionen Euro fließen jedes Jahr in Maßnahmen zur Bekämpfung von Plagiaten. Dabei werden etwa Internet-Portale beobachtet, Zollbeamte kontrollieren Container in den Häfen und Vertriebsmitarbeiter in aller Welt schauen sich vor Ort um.

Außerdem gibt es regelmäßige Rundgänge auf den einschlägigen Fachmessen, wie bei der ISH in Frankfurt. Dort haben Zollbeamte und Patentanwälte im März dieses Jahres elf Verletzungen von Hansgrohe-Schutzrechten festgestellt. „Und das ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Vetter.

97 Prozent der Kopien stammen aus China. Und die Fälscher dort sind findig. Weil in China nur Produkte, die zu fast 100 Prozent identisch sind, als geklaut gelten, verändern professionelle Produktfälscher Kleinigkeiten und sind somit schwer angreifbar.

So mancher Rechtsstreit zieht sich jahrelang hin und verschlingt viel Geld. Vetter und die vier Mitarbeiter ihrer Abteilung sind in Kontakt mit Anwälten in China, die dort recherchieren. „Das ist schon ein Stück Detektivarbeit“, sagt Vetter. Dabei gebe es immer mehr Einzelfälle, denn der Trend gehe zu immer kleineren Mengen.

Wichtig für den Erfolg im Kampf gegen Produktpiraten sei es außerdem, die Wachsamkeit der weltweit mehr als 3.600 Mitarbeiter zu schärfen, betont Vetter. Auch die Verbraucher möchte sie für das Thema sensibilisieren: „Eine gefälschte Badarmatur kann sogar schädliche Stoffe enthalten, die ins Trinkwasser abgegeben werden“, warnt die Expertin. „Es lohnt sich also, genauer hinzusehen.“


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Ob Luxus- oder Pfennigartikel: Produkte aller Art werden gefälscht, was das Zeug hält. Manche Plagiate sind leicht zu erkennen – wenn man sie direkt vor sich hat. Doch etwa beim Online-Shopping lauern umso mehr Fake-Fallen.

Gleich zu Tausenden werden Parfüm-Fläschchen zerdeppert – von Zollbeamten! Die Aktion vor dem Solinger Museum Plagiarius soll auf ein teures Problem aufmerksam machen: Produktpiraterie. Wir erklären wichtige Hintergründe.

Einmal im Jahr zeichnet die Aktion „Plagiarius“ besonders dreiste Produktpiraten aus. Original und Fälschung landen im Museum. AKTIV präsentiert zehn Preisträger – beeindruckende Beispiele für den schädlichen Ideenklau.

Abicor Binzel aus Buseck bei Gießen ist weltweiter Marktführer für Schutzgas-Schweiß- und Schneidbrenner – sowie ein Opfer von Produktpiraterie. Und diese ist gefährlich: für die Gesundheit der Verbraucher wie für Jobs.

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