Jugend

Den Nachwuchs begeistern


Seit zehn Jahren kooperiert die Metallindustrie in Niedersachsen mit Schulen und Hochschulen

Hannover. Für Jörg Baerbock, Personalleiter bei Wabco in Hannover, ist die Sache ziemlich klar: „Auf der Suche nach den richtigen Mitarbeitern werden sich die Firmen in Zukunft deutlich mehr einfallen lassen müssen als bisher.“ Wabco, Anbieter von elektronischen Brems- und Regelsystemen, baut deshalb seinen engen Kontakt zu Universitäten und Fachhochschulen weiter aus. Personalmarketing für Mitarbeiter in technischen Berufen gewinnt eine höhere Bedeutung.

Die Hannoveraner stehen damit nicht allein. Auch Firmen wie Sennheiser electronic, Komatsu Hanomag oder die Körting Hannover AG sind auf der Suche nach qualifizierten Bewerbern um technische Ausbildungsplätze und vor allem Ingenieurberufe. „Wir könnten sofort 10 bis 15 Ingenieure einstellen“, bestätigt auch Edmund Schulz, Personalleiter der KraussMaffei Berstorff GmbH in Hannover.

Werbetrommel in den Schulen

 Weil technische Kenntnisse im Beruf immer wichtiger werden und gleichzeitig die Zahl der Schulabgänger in den kommenden Jahren kontinuierlich abnimmt, haben die niedersächsischen Metallarbeitgeber schon vor zehn Jahren damit begonnen, die Werbetrommel zu rühren.

Berufsorientierung muss zur gelebten Erfahrung werden“, sagt Olaf Brandes, Geschäftsführer der eigens mit 30 Millionen Euro ausgestatteten Stiftung NiedersachsenMetall. „Inzwischen haben wir mit 140 Schulen und zehn Hochschulen Kooperationsvereinbarungen geschlossen“, berichtet er.

Über eine Brücke zu Sennheiser

Die Ausbildungswerkstatt wird zum Klassenzimmer, der Physikunterricht findet im Entwicklungslabor des Betriebes statt. In Gesprächen erzählen Ingenieure und Studierende vor Schulklassen vom Berufsalltag und den Wegen zum Studium.

Und weil der Faktor Spaß für Jugendliche eine wichtige Rolle spielt, machen Wettbewerbe und gemeinsame Projekte die jungen Leute neugierig.

Eine solche Brücke hat Julia Remmert genutzt: „Ich bin über das Projekt Mädchen und Technik zu Sennheiser gekommen.“ Sie fand Spaß an der Technik – und einen Ausbildungsplatz zur Industriemechanikerin.

Vor allem bei technischen Berufen gibt es seitens der Schüler den größten Informationsbedarf – nicht selten aber auch große Vorurteile. Zwar wächst inzwischen das Technik-Interesse, gleichzeitig aber auch der Bedarf an Fachleuten. Prognosen zeigen, dass spätestens ab 2015 mehr Ingenieure altersbedingt aus dem Arbeitsleben ausscheiden werden als Hochschulabsolventen nachkommen. Der Arbeitsmarkt ist schon heute leer gefegt.

Ingenieure haben Vollbeschäftigung

Im April dieses Jahres hatten die Personalchefs hierzulande 95.300 Ingenieurstellen zu vergeben – 72.400 mehr, als arbeitslose Ingenieure auf dem Arbeitsmarkt waren. „Für diese Berufsgruppe herrscht Vollbeschäftigung“, so Stiftungs-Geschäftsführer Brandes.

Das bestätigen auch die Betriebe. Nicht selten, dass sie ein halbes Jahr und länger benötigen, um ausgeschriebene Stellen zu besetzen. „Das wird keineswegs besser, sondern in Zukunft eher schwieriger“, sagt Hubert Brüning, Personalleiter bei Komatsu Hanomag in Hannover.

Deshalb beteiligt sich auch sein Unternehmen an den Aktionen der Stiftung NiedersachsenMetall. „Geschichte und Technik“ heißt eines der neuen Projekte, das nach den Sommerferien umgesetzt werden soll. In einem anderen Projekt sollen die Chancen der Globalisierung herausgearbeitet werden. Denn Ingenieure werden weltweit eingesetzt und sind erste Ansprechpartner für die Kunden in aller Welt.

Personalleiter Brüning hält es für sehr wichtig, dass die Wirtschaft den Kontakt zu Schulen und Hochschulen sucht. „Weil diese Bildungsarbeit ein wichtiger Impulsgeber für Schüler, Lehrer, Eltern und Studierende ist.“

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