Elektronik

Den ganzen Globus im Blick


Die Traditionsfirma Vierling hilft mit, dass „Google Earth" funktioniert

Ebermannstadt. Die Fränkische Schweiz als Tor zur Welt – wer hätte das gedacht! Den Blick über den Globus macht die Firma Vierling im beschaulichen Ebermannstadt erst möglich. Mit Rechnern in Spezialkameras, die zum Beispiel Aufnahmen für „Google Earth“ liefern.

Diese Bilder des amerikanischen Konzerns zeigen die Erde von oben und erlauben jedem von zu Hause aus einen Blick, den sonst nur Flugreisende oder Astronauten genießen.

„Unsere Technik sorgt für das Gehirn dieser Kamera“, erklärt Wolfgang Peter, der die Unternehmensgruppe mit Werner und Manfred Vierling leitet, den Söhnen des Firmengründers Professor Oskar Vierling.

Im 67sten Firmenjahr sind über 200 Beschäftigte beim Elektronikspezialisten tätig und sorgten 2007 für 25 Millionen Euro Umsatz.

Dabei konzentriert sich die Firma auf kleinere und mittlere Stückzahlen sowie seinen Nischenplatz. „Wir sind flexibel aufgestellt und richten uns nach den Wünschen der Kunden“, sagt Peter.

Zentimetergenaue Bilder aus der Luft

So liefert der Betrieb mit drei Geschäftsfeldern zum Beispiel Entstör-Platinen für Cabrioverdeck-Motoren. Er entwickelt und produziert Messtools für Gleitsicht-Brillengläser und baut Geräte zur Notfall-Ortung. Zudem werden Gesamtlösungen im Bereich Mess- oder Telekommunikationstechnik angeboten sowie Adapter für den Mobilfunk.

Für die Firma Intergraph in Ismaning haben die Oberfranken bereits 80 Rechner gefertigt und programmiert. Diese werden nach eigenen Angaben in die leistungsfähigste digitale Luftbild-Kamera der Welt eingebaut. „Damit entstehen Fotos für Google-Karten von Sehenswürdigkeiten, aber auch Gärten und Häusern“, berichtet Peter. Mit dem „Gehirn“ aus Ebermannstadt sind Aufnahmen mit 136 Megapixel und Auflösungen am Boden von unter fünf Zentimetern möglich.

Die 1.300 Einzelteile der Kamera zu verbauen, dauert aber auch: Sechs Tage sind nötig, bis zu vier Kameras werden im Monat gefertigt. Sie sind auch für Umweltstudien oder auf der Suche nach Öl- oder Gasfeldern im Einsatz.

Die „Vermessung der Welt“ beginnt also zum Beispiel bei Mechaniker Heinz Jürke, der seit 1968 im Betrieb arbeitet. „Wir sind ein Familienunternehmen“, betont Personalleiter Manfred Besold. Kürzlich gingen sieben Werker ins Rentenalter. „Die waren zusammen 215 Jahre bei uns.“

Den Standort stärken durch Fachkräfte

In den Standort wird weiter- investiert. Ende 2007 wurde für 200.000 Euro eine neue Löt-Straße gebaut. Fertigungsleiter Ralf Kraus betont den verbesserten Umweltschutz und niedrigere Löt-Temperaturen: „Das belastet die Bauteile weniger und erhöht zudem ihre Qualität.“ Dazu kommen weniger Energiebedarf und sinkende Fertigungskosten.

15 Jugendliche bildet die Firma aus. Ein möglicher Fachkräftemangel wird so abgefangen. Dabei hilft auch die Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Nürnberg.

„Unsere Philosophie lautet, Arbeitsplätze zu erhalten“, gibt Geschäftsführer Peter vor. Grundlage dafür ist Verlässlichkeit: „Weil die Kunden unsere Qualität schätzen, entschieden sie sich bislang bewusst für uns.“ Vielseitig aufgestellt und mit 40 internationalen Partnern im Geschäft, sind die Ebermannstädter weiter auf Erfolgskurs – und haben dabei die ganze Welt im Blick.

Michael Horling

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang