Standort

Den Dreh raus


Warum Hilti seine Bohrer in Kaufering produziert

Kaufering. Kein Zaun, kein Tor, keine Pforte: Den Hilti-Standort in Kaufering trennt nur eine Nebenstraße vom angrenzenden Wohngebiet. Eine Vereinbarung mit der 10.000 Einwohner großen Gemeinde erlaubt es den Anwohnern, das Grundstück zu queren – um Umwege zu vermeiden.

Rund 300.000 Quadratmeter – das entspricht etwa 40 Fußballfeldern – umfasst das Areal des Liechtensteiner Werkzeugherstellers, der vor allem für leistungsstarke Bohrmaschinen bekannt ist. „Er ist der größte zusammenhängende Standort des Konzerns“, sagt Thomas Berden, in Kaufering Chef der Produktion.

40 Jahre Erfahrung

Etwa 1.300 Beschäftigte arbeiten eine Auto-Stunde westlich von München für Hilti: in Produktion, Entwicklung und Vertrieb. Als der Standort 1971 gegründet wurde, waren es gerade einmal 125. „Die Nähe und der Austausch der Bereiche sind ein großer Erfolgsfaktor für uns“, sagt Berden. „Und natürlich, dass wir technisch führend sind.“ In einem Hochlohnland müsse das so sein, sagt der Produktionsleiter: „Was andere auch können, ist hier schwer zu halten.“ Rund 500 Menschen stellen neben Motoren für Bohrmaschinen Verbrauchsmaterial wie Ankerschienen und Bohrer her.

2010 wurde das Werk zum wiederholten Male vergrößert. Das galt neben der Fertigung von Brandschutzprodukten vor allem der Herstellung von Verbunddübeln. Sie funktionieren, indem man eine Art Kleber ins Bohrloch spritzt. Mit der Zeit wird dieser hart und gibt so sicheren Halt. Die Nachfrage wächst seit Jahren überdurchschnittlich – auch weil Hilti eine Methode entwickelt hat, welche die Anwendung enorm erleichtert.

Mit der Produktion von Bohrern hat man in Kaufering bereits 40 Jahre Erfahrung. So wurde am Standort auch ein Verfahren erfunden, das Hilti heute noch Wettbewerbsvorteile verschafft: das halbwarme Umformen. Für die dickeren Bohrer werden Stahl-Rohlinge erhitzt, platt gedrückt, am unteren Ende fixiert und dann an der Spitze gedreht. So muss nicht gefräst werden. „Das spart Zeit, Material und sorgt für bessere Qualität“, sagt Berden.

Hohe Identifikation der Mitarbeiter

In den vergangenen Jahren haben viele kleine Qualitätssprünge die Bohrer verbessert. Modelle der neuen Generation besitzen heute vier statt nur zwei Schneiden. Das erleichtert das Anbohren. Zudem zeigen sie den Verschleiß an, bohren schneller und führen das Bohrmehl besser ab.

Um langfristig innovativ zu bleiben, hat Hilti im Zuge des Ausbaus auch in ein neues Ausbildungszentrum für 66 Lehrlinge investiert. Berden zweifelt nicht daran, auch in Zukunft qualifizierten Nachwuchs zu finden: „Die Marke Hilti hat eine sehr große Anziehungskraft.“

Es sei beeindruckend, so Berden, wie stark sich die Mitarbeiter mit der Firma identifizierten. In der Krise habe jeder, etwa mit Kurzarbeit, bereitwillig einen Beitrag geleistet, um dem Unternehmen zu helfen. Auf die Motivation seiner Leute ist der Chef besonders stolz: „Ich könnte meine Leute nachts um drei in die Produktion rufen – und sie würden kommen.“

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