Wie ein Verpackungshersteller um Nachwuchs wirbt

Delkeskamp-Azubis bekommen jetzt ein ausgefeiltes Extra-Training


Nortrup. Einfach nur einen Ausbildungsplatz anbieten? „Das reicht schon lange nicht mehr, um bei den heutigen Jugendlichen als guter Arbeitgeber anzukommen“, sagt Ute Schlötke, Personalleiterin beim Verpackungsspezialisten Delkeskamp in Nortrup.

Daher hat in dem niedersächsischen Unternehmen das Programm „Azubi Plus – Projekt Zukunft“ begonnen. Es soll die Ausbildung attraktiver machen und so den Nachwuchs sichern. Im Betrieb entstehen hochwertige Verpackungslösungen aus Wellpappe und Schaumstoff: „Dafür brauchen wir gute und motivierte Mitarbeiter“, betont Firmenchef Stefan Delkeskamp.

Das Stammhaus liegt etwa 50 Kilometer nördlich von Osnabrück, dazu kommen zwei weitere Betriebe in Hannover und in Tschechien. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten die insgesamt rund 600 Mitarbeiter einen Umsatz von knapp 130 Millionen Euro. Neun Ausbildungsberufe können junge Leute hier lernen, vom Papier- und Packmitteltechnologen über den Elektroniker und Berufskraftfahrer bis zum Industriekaufmann.

An der eigenen Persönlichkeit feilen, Kreativität üben, sich selbst besser organisieren ...

Traditionell investiert Delkeskamp viel in die Nachwuchsförderung: etwa per Nachhilfe, Sprachunterricht und Kooperation mit Schulen. „Azubi Plus“ kommt nun dazu. „Das ist kein starres Lernprogramm“, erläutert Normen Ulbrich von der Lüneburger Personalentwicklungsgesellschaft Imnu, „sondern eine flexible Ergänzung zur vorhandenen betrieblichen und schulischen Ausbildung.“

Ulbrich hat das Programm in enger Absprache mit der Personalleiterin entwickelt. Und er sagt: „Ich kenne kein anderes Unternehmen, das so viel Zeit, Ressourcen und Geld in seinen Nachwuchs investiert.“ Jeder der 30 Azubis bekommt nun pro Jahr zehn Trainingstage: In Workshops arbeiten die jungen Leute an ihrer Persönlichkeit. Es geht um Teambildung, Kreativität, Präsentationstechniken, Selbstmanagement und vieles mehr.

„Klassischen Unterricht darf hier niemand erwarten“, sagt Ulbrich schmunzelnd, „sondern eher Gruppenarbeit und ausgefallene Übungen.“ Zum „Aufwärmen“ schreibt zum Beispiel jeder seine Erfahrungen vom Vortag auf ein Plakat und hängt es sich an die Brust. Auf einem zweiten Papierbogen, der am Rücken hängt, dürfen die anderen Kommentare abgeben. „Danach sind alle fit für weitere Aufgaben“, so der Trainer.

Ein wichtiger Teil des Programms sind Projekte, die die Azubis im zweiten Lehrjahr selbstständig durchführen. In diesem Sommer haben sie einen „Tag der Ausbildung“ organisiert. Das Ziel: die Marke Delkeskamp in der Region stärken – und die Bewerberzahlen erhöhen.

„Wir haben junge Leute eingeladen und ihnen alle Berufe live vorgestellt“, erzählt die angehende Industriekauffrau Jana Wesselkamp. Sie hat gemeinsam mit den anderen alles vorbereitet, von der Kalkulation der Kosten bis zur Abstimmung der Pläne mit dem Betriebsrat. „Toll, dass uns Kollegen und Geschäftsleitung so viel Vertrauen entgegenbringen“, sagt die junge Frau.

Und der große Tag übertraf dann die Erwartungen: Mehr als 200 Besucher kamen ins Werk!

Zahl der Bewerber soll deutlich steigen

„Ein Knaller. Wir wären schon mit der Hälfte glücklich gewesen“, sagt Azubi Leonie Uhlenkamp. Und Personalchefin Schlötke stellt zufrieden fest: „Viele potenzielle Bewerber waren dabei. Und wir möchten ja die Zahl der Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz bei uns deutlich steigern.“

Auch Tobias Kröger, angehender Packmitteltechnologe, ist von dem Extra-Training begeistert: „Durch all die Erfahrungen traue ich mir viel mehr zu.“ Das kann sein Ausbilder Theo Küthe nur bestätigen: „Im ersten Lehrjahr war er noch eher schüchtern“, erinnert er sich, „und jetzt weiß er, was er will.“

Hintergrund

Das Programm

  • „Azubi Plus“ ist eine firmeninterne Ergänzung der betrieblichen und schulischen Ausbildung. Das Programm geht über die komplette Ausbildungszeit. Die Auszubildenden werden genau nach ihren Bedürfnissen gefördert.
  • Stärken und Schwächen erkennen: Dabei hilft die Erstellung eines Persönlichkeitsprofils.
  • Das Gelernte wird möglichst schnell in der Praxis umgesetzt. So steigt die Identifikation mit der Aufgabe, die jungen Leute entwickeln sich in Sachen Persönlichkeit und Selbstständigkeit weiter.
  • Pro Ausbildungsjahr gibt es zehn Trainingstage mit verschiedenen Themen – zum Beispiel Konfliktmanagement oder Rhetorik.
  • In anspruchsvollen Projekten sollen die Azubis erste Verantwortung übernehmen.

delkeskamp.de

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