Oberflächen veredeln

Dekor-Kunststoffe erfindet Wände und Böden neu

Der Familienbetrieb richtet aufgrund der immer größeren Nachfrage neue Stellen ein

Erndtebrück. Mediengestalter Volko Weyler druckt die Berliner Mauer auf eine schier endlose Papierbahn. Sie soll eine Hotelwand schmücken. „Das Graffito entspricht zu 100 Prozent dem Original“, sagt der Experte für Digitaldruck. Schöne Oberflächen sind die Spezialität von Dekor Kunststoffe in Erndtebrück.

Das Chemie-Unternehmen bedruckt und imprägniert Papiere mit Melaminharz. Die lassen etwa einfache Holzwerkstoffe wie Edelhölzer aussehen, wahlweise auch wie Metall, Stein, Beton, Mosaik oder Leder. Und sie fühlen sich sogar danach an.

Die Kunden verarbeiten das Material zu Laminatböden, Wandschmuck und Möbeln. „Unsere Produkte sind hochkomplex“, erklärt Geschäftsführer Thomas Dulas. Sie bestehen aus mehreren Lagen imprägnierten Papiers: „Die Schichten kommen beim Kunden lose in die Presse und werden unter Druck bei 180 Grad mit der Holzplatte verpresst.“ Das macht die Verbindung sehr dauerhaft.

Die oberste Schicht (Overlay) ist durchsichtig. Sie bestimmt Eigenschaften wie die Kratz- und Fleckresistenz oder die Rutschfestigkeit. „Das erreichen wir durch Zugabe von Zusatzstoffen ins Melaminharz“, erklärt Dulas.

In der Imprägnieranlage schickt Mitarbeiter Colin Wilson gerade eine Papierbahn Laminat-Overlay durchs Melaminbad. Zwei Metallrollen streifen das überflüssige Harz ab. Wilson passt auf, dass die Bahn keine Falten wirft und gut durchtränkt ist.

In der nächsten Wanne ist gemahlener Korund, ein sehr hartes Mineral. Damit lässt sich der sogenannte Abriebwert bestimmen. Denn Böden werden unterschiedlich stark beansprucht. Wilson: „Im Eingangsbereich benötigen wir richtig viel Korund, im Schlafzimmer weniger.“

Für das Imprägnieren braucht es „einen großen Erfahrungsschatz“, meint Dulas. Das Material darf weder offene Poren noch Pigmentflecke haben, und die Restfeuchte ist streng definiert. Zudem muss man den richtigen Farbton treffen. Allein bei Weiß gibt es 80 Nuancen. Derzeit brummt das Geschäft, weil Verbraucher gern in ihre Immobilien investieren.

In dem Familienbetrieb erwirtschaften rund 100 Mitarbeiter einen Umsatz von 48 Millionen Euro. Mehr als 50 Prozent der Produktion gehen ins Ausland, vor allem nach Asien und in die USA. Die Auftragslage ist so gut, dass Dulas bis zu 15 neue Arbeitsplätze einrichtet. Das ist auch einer Innovation geschuldet: Sie macht Laminat fußwarm, fleckunempfindlich und vor allem leiser.

Das Geheimnis: Statt mit Melaminharz ist die Deckschicht mit einem weicheren Thermoplast imprägniert. Zum Beweis rollt der Chef eine Metallkugel über zwei Sorten Laminat. Auf dem neuen „Softshell“ hört man sie nur halb so laut.

 

 


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