Hochwasserschutz

Deiche zum Mitnehmen


Firma Ceno Tec stellt einen mobilen Hochwasserschutz her

Greven. Horst Potthoff sitzt schon seit ein paar Stunden an der großen Nähmaschine. Er jagt eine orangefarbene Plane unter der Nadel her und versieht sie mit Klettbändern für einen Saum. Wenn es zum Ernstfall kommt, ist dieser Saum wichtig. Der Ernstfall heißt: Überflutung.

Potthoff stellt in der Firma Ceno Tec in Greven bei Münster den „Mobil­deich“ her. Der soll dem herkömmlichen Sandsack buchstäblich das Wasser abgraben – und er ist zunehmend gefragt: Hochwasser hat in den letzten Wochen in Polen und der Slowakei Deiche zerstört und Städte und Gemeinden in Brandenburg in Atem gehalten.

Riesenfleischwurst im Wasser

Der Mobildeich funktioniert ziemlich einfach. Er besteht aus zwei oder drei Schläuchen, je nach Bedarf. Helfer können ihn direkt ins ansteigende Hochwasser legen. Mit einer Pumpe gelangt das Flutwasser in die Schläuche, die mit der orangefarbenen Plane abgedeckt werden.

Diese wird durch eine Kette im Saum beschwert. Wenn der Deich erstmal am Ufer liegt und mit Wasser vollgelaufen ist, sieht er aus wie eine riesige Fleischwurst. Der Clou: Er kommt ohne Fundament oder sonstige Baumaßnahmen aus.

Die Schläuche gibt es in Längen von 10 bis 50 Metern und Durchmessern bis zu anderthalb Metern. Sie sind beidseitig PVC-beschichtet und gegen Pilze resistent. Eine stabile Netzhülle umschließt sie. Durch den Wasserdruck spannt sich das Netz, und der Deich wird stabil. Wenn es nötig ist, lässt sich dieser Damm beliebig biegen und knicken.

„Vier Personen reichen aus, um 100 Meter Deichstrecke in einer Stunde aufzubauen“, erklärt Gabriele Eickmeier, die bei Ceno Tec für den Vertrieb des Deiches verantwortlich ist. Es fallen keine Kosten für die Entsorgung der Sandsäcke an. Und der Deich kommt nach Gebrauch in ein Depot: Selbst nach langer Lagerzeit  ist er über Jahre immer wieder verwendbar. „Es sind vor allem Städte und Gemeinden, die unseren Deich kaufen“, so Eickmeier.  

Arbeit im Dreischichtbetrieb

Das Produkt, das seit 2008 auf dem Markt ist, hat sich bereits bewährt: Am Kalscheurer Weiher in Köln zum Beispiel wird er zur Trockenlegung für die Ufersanierung gebraucht. Im sächsischen Eilenburg hat er als Hochwasserschutz gedient. Im brandenburgischen Sachsenhausen hat er die Havel gestaut für Reparatur­arbeiten an einem Wehr.

Ceno Tec stellt textile Konstruktionen für Architektur, Umwelttechnik und Industrietechnik her. 120 Beschäftigte arbeiten im Dreischichtbetrieb.

Tina Schilp

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