Qualifizierung

Das Werkstattjahr des Wuppertaler Ausbildungszentrums macht Jugendliche für textile Berufe fit

Wuppertal. Sascha Beul hat einiges hinter sich: „Mit 17 flog ich von der Schule für schwer erziehbare Kinder. Hab’ damals viel Blödsinn gemacht. Einbrüche und so.“ Bereitwillig erzählt der Absolvent des Ausbildungszentrums der Rheinischen Textilindustrie (AZ) in Wuppertal davon, wie er vor fünf Jahren vor dem Nichts stand.

Er merkte damals, wie er „vor eine Wand“ lief: kein Schulabschluss, kein Ausbildungsplatz, kein Job, keine Zukunft. Doch dann bekam er die Möglichkeit, am Werkstattjahr im AZ teilzunehmen und damit das Ruder rumzureißen: drei Tage pro Woche praktisches Lernen an Textilmaschinen, Faserstoffkunde, Bindungslehre, aber auch Mathe, Deutsch und Englisch.

Dazu zwei Tage wöchentlich Berufsschule im Berufskolleg Werther Brücke in Wuppertal. Ergänzt durch ein Praktikum bei der Wuppertaler Textilfirma Barthels-Feldhoff.

Mit Teamarbeit Jugendlichen eine neue Chance geben

Ein Glücksfall für den heute 22-Jährigen. Denn am Ende bot ihm das Familienunternehmen, das unter anderem technische Textilien für die Automobil- und Flugzeugbranche herstellt, einen Ausbildungsplatz an. Im vergangenen Jahr beendete er seine zweijährige Lehre zum Maschinen- und Anlagenführer Textiltechnik mit der Note zwei.

„Sascha ist erwachsen geworden und übernimmt heute Verantwortung für sein Leben“, sagt Betriebsleiter Wolfgang Schmedders. Er hat den jungen Mann während seiner Ausbildung begleitet.

Saschas Lebensweg zeigt: Jeder hat eine zweite Chance verdient. Und stimmen die Rahmenbedingungen, dann packen die meisten Jugendlichen es auch. Das zeigt eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Zwischen 2005 und 2011 ging demnach die Zahl der jungen Erwachsenen (20 bis 29 Jahre), die weder eine duale Berufsausbildung noch eine Fachschulausbildung oder ein Studium abgeschlossen hatten, bundesweit um mehr als 250.000 auf 1,3 Millionen zurück. In Nordrhein-Westfalen sank in diesem Zeitraum die Anzahl solcher Bildungsverlierer von 17,4 auf 14 Prozent.

Entscheidend dabei ist die enge und abgestimmte Zusammenarbeit zwischen Ausbildungszentren wie dem AZ in Wuppertal, der Schule, der Agentur für Arbeit und den Unternehmen in der Region. In der Stadt an der Wupper werden so jährlich rund ein Dutzend junger Menschen fit für die Berufswelt gemacht

Von dieser Teamarbeit hat auch auch Mohammed Musa profitiert. Der gebürtige Syrer floh aus seinem Land. Den Hauptschulabschluss schaffte er 2009, aber die Noten waren nicht berauschend. Weil er im ersten Anlauf keine Ausbildungsstelle fand, entschied er sich fürs Werkstattjahr am Ausbildungszentrum.

Die obligatorischen Praktika in Unternehmen brachten ihm gleich zwei Ausbildungszusagen: „Das gab mir zum ersten Mal ein gutes und sicheres Gefühl“, sagt Musa.

Bei Nölle-Pepin in Schwelm nahe Wuppertal schloss er seine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer Textil Fachrichtung Wirkerei mit der Note sehr gut ab. Das Unternehmen fertigt technische Netze für die Automobil- und Luftfahrt-Industrie.

„Eine gute Ausbildung macht selbstbewusst“

Inzwischen hat der 22-Jährige eine „gehobene Funktion“ – so sein Ausbildungsleiter Kai Block. Eigenverantwortlich leitet Musa jetzt seinen Bereich und fertigt Muster für Kundenfirmen: „Für mich hat sich alles zum Guten gewendet. Eine gute Ausbildung macht selbstbewusst. Man ist ein anderer Mensch als vorher.“

Hintergrund

Werkstattjahr des AZ

  • Während dieser Zeit werden Jugendliche für die Berufswelt fit gemacht. Sie können zum Beispiel ihren Hauptschulabschluss nachholen.
  • Getragen vom Verband der Rheinischen Textil- und Bekleidungsindustrie übernimmt das AZ für die Mitgliedsunternehmen auch die überbetriebliche Ausbildung im ersten Lehrjahr.
  • Nähere Infos zum weiteren Angebot unter az-textil.de

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