Hier arbeiten Gewinner

Das Werk des Autozulieferers Faurecia wurde „Fabrik des Jahres“

Peine. Wenn der Chef vor lauter Jubel mit dem Auto fast die Sicherheitsschranke am Werktor demoliert, muss Besonderes passiert sein. „Ich stand gerade vor dem Tor“, erinnert sich Werkleiter Nick Miller, „als der Anruf kam: Faurecia Peine ist die ‚Fabrik des Jahres‘!“ Bei der Einfahrt ins Werk wäre dann beinahe das Malheur passiert.

Klar, auch Freude kann mal kurz die Sinne trüben. Doch das ist in Peine die Ausnahme, sonst hätte es diesen Preis in der Kategorie „Hervorragende Großserienfertigung“ nicht gegeben: Miller erhielt ihn Ende März in Hannover vor 300 Managern von Produktionsbetrieben. Etwa 100 von ihnen schauten sich anschließend den ausgezeichneten Betrieb an.

Faurecia Peine produziert mit 420 Mitarbeitern Kunststoff-Teile für Autos. Im Sekundentakt verlassen Mittelkonsolen, Instrumententafeln und Türverkleidungen die Maschinen. Diese Komponenten werden umgehend an die Hersteller Volkswagen, Ford und Daimler geliefert. Weil die Teile exakt in die Produktion der Autofirmen eingetaktet werden, darf nichts schiefgehen.

Diese Herausforderung bewältigt Faurecia mit sogenanntem „Lean Management“. Das sei spürbarer Teil des Fabrikalltags, wie die Jury in ihrer Begründung für die Preisverleihung hervorhob. Eine effiziente Führung ermögliche flache Hierarchien, jeder Mitarbeiter bringe sich mit Verbesserungen und Problemlösungen ein, und die Teams arbeiteten weitgehend selbstständig.

Die Auszeichnung sei „ein Beleg für die Ideen, Innovationen und das Engagement unserer Mitarbeiter“, sagt Miller. „Wir werden weiter konsequent investieren und wollen in Zukunft ebenso Maßstäbe setzen.“ Auch in der Forschung. Etwa 80 Entwickler und Designer tüfteln in der niedersächsischen Kreisstadt an besseren Teilen.

Werkleiter Miller hatte übrigens Bedenken, ob seine Fabrik überhaupt Chancen habe. Denn als die Auditoren im Sommer 2014 auf dem 45.000 Quadratmeter großen Firmengelände auftauchten, um das Werk und dessen Abläufe zu begutachten, war „unsere Halle eine einzige Baustelle“. Bei laufendem Betrieb fand ein großer Werkumbau statt – übrigens ohne Ausfälle und Lieferengpässe.

Mit Auszeichnungen kennt man sich bei Faurecia Peine aus. Schon vor zwei Jahren hatte der Standort das begehrte Gütesiegel „Lean Award 2013“ erhalten.

Und, wer weiß, vielleicht wartet schon der nächste Preis. Denn erst kürzlich ging bei der französischen Mutter ein Spritzgussbauteil in Serie, das zu 20 Prozent aus dem Naturmaterial Hanf besteht und ein Viertel leichter ist. Verbaut wird es in einem Peugeot. Auch andere Hersteller sind an dem Material interessiert.

Weitere neue Produkte aus dem Spezialkunststoff will Faurecia bis 2015 oder 2016 herstellen. Möglich ist das auch in Peine: Denn das Granulat lässt sich auf herkömmlichen Spritzgießanlagen problemlos verarbeiten.


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