Die Meister der Ketten

Das Werk der global aufgestellten Renold-Gruppe in Einbeck ist stramm auf Wachstumskurs

Einbeck. Vor der Produktionshalle kündet ein großes Schild vom Aufschwung: Die Renold GmbH sucht Mechatroniker, Werkzeug- und Industriemechaniker und stellt Azubis ein. In den Hallen läuft die Produktion auf Hochtouren. „Wir sind momentan in allen Bereichen voll ausgelastet“, berichtet Werkleiter Hans-Jürgen Kreipe.

Hier, vor den Toren der Stadt Einbeck in Niedersachsen, produziert man Ketten. Viele Ketten. Täglich aus etwa 100 Tonnen Stahl – die Produktvielfalt ist enorm: „Wir stellen rund 8.500 verschiedene Ketten mit 25.000 unterschiedlichen Teilen her“, so Kreipe.

Weil man im Firmenverbund der britischen Renold-Gruppe (2.600 Mitarbeiter) nicht nur der größte, sondern auch der produktivste Standort ist, verlagerte der Konzern zuletzt Teile der Fertigung aus England nach Einbeck: Um 45 Mitarbeiter wurde die Belegschaft im vergangenen Jahr aufgestockt, auf aktuell rund 400.

Der Konzern mit Werken in Europa, USA, Asien und Australien gehört zu den weltweit führenden Produzenten von Ketten, Getrieben und Kupplungen. Das Werk Einbeck ist auf die Produktion kleiner Ketten spezialisiert: unter einem Zoll „Bolzenabstand“ der einzelnen Kettenglieder. Durch die Fertigungsverlagerung aus England wird dieses Produkt nun noch erweitert.

Der Umsatz des Werks dürfte 2014 weiter kräftig wachsen, angepeilt sind 58 Millionen Euro nach 46 Millionen im vergangenen Jahr. Internationale Märkte werden stetig wichtiger. Kreipe: „Der Export­anteil liegt bei über 50 Prozent, vor allem das Geschäft mit den USA und Asien wächst stark.“

Die Produkte aus Einbeck werden in diversen Branchen eingesetzt: Lebensmittel- und Möbel-Industrie, Verpackungsbetriebe, Hersteller von Transportgeräten wie Staplern sowie Skilift- und Gondelproduzenten. Sie kommen in Trocknungsanlagen für italienische Nudeln ebenso zum Einsatz wie beim Konfektionieren von Süßigkeiten und beim Verteilung von Textilien in großen Lagern der Modebranche.

Von der Massenproduktion haben sich die Einbecker nicht gänzlich verabschiedet, aber immer häufiger gibt es kleine Serien und sogar Einzelanfertigungen. „Kette ist nicht gleich Kette“, sagt Werkleiter Kreipe und betont das Fachwissen seiner Ingenieure und die langjährige Erfahrung der Produktionsmitarbeiter.

Das Werk verfügt über 7 automatische Pressen, 13 Härteanlagen, 3 Durchlaufvergütungsanlagen und 21 Montagelinien. Seit einigen Jahren investiert es jährlich mehr als 1 Million Euro in den Maschinenpark. Eine der wichtigsten Anschaffungen dabei war ein Universal-Laser, der Spezialwerkzeuge herstellt. „Damit haben wir die Erstellzeit unserer Werkzeuge erheblich verkürzt“, sagt Kreipe.

Das kann Jürgen Fuhrmann, Planer der Spezialkettenmontage, bestätigen. „Im Vergleich zu dem modernen Equipment, das wir heute benutzen, haben wir früher bildlich gesprochen auf Schiefertafeln geschrieben“, sagt er.

Fuhrmann ist 48 – und kam mit 17 ins Unternehmen. „Ich habe Werkzeugmechaniker gelernt und bin mit der Kette groß geworden“, sagt er. Stillstand bedeutet für ihn Rückschritt. „Der Kunde will Innovationen in immer kürzeren Abständen. Das müssen wir bieten.“


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