Farbe für den Eiffelturm

Das weltweit größte Werk für Eisenoxid-Pigmente steht bei Lanxess in Krefeld

600 Mitarbeiter produzieren beim Spezialchemie-Profi Lanxess am Niederrhein sogenannte Eisenoxid-Pigmente. Die gehen zum Beispiel in die Bau-Industrie. Chemikerin Vera Holstein führte AKTIV durch die Produktion.

Markanter Bau: Das Wahrzeichen von Paris wird regelmäßig gestrichen. Foto: Fotolia

Markanter Bau: Das Wahrzeichen von Paris wird regelmäßig gestrichen. Foto: Fotolia

Hier dampft es kräftig: Vera Holstein überprüft vom Rande das Geschehen im Reaktor. Foto: Wirtz

Hier dampft es kräftig: Vera Holstein überprüft vom Rande das Geschehen im Reaktor. Foto: Wirtz

Krefeld. Es dampft, als Vera Holstein den riesigen Deckel anheben lässt. Tief unten blubbern 650.000 Liter lehmfarbener Flüssigkeit in einem Reaktor. Die junge Chemikerin ist Produktionsmanagerin bei Lanxess in Krefeld und zuständig für die Herstellung gelber Eisenoxid-Pigmente.

Eisensulfat und Natronlauge sind die Zutaten in ihrer Rezeptur, die rund 50 Stunden bei 70 Grad kochen muss. „Und was da blubbert, ist Luft“, erklärt Holstein. „Die braucht man für die Oxidierung, außerdem mischt sie die Flüssigkeit gut durch.“

In Krefeld betreibt Lanxess das größte Werk für Eisenoxid-Pigmente weltweit. Rund 600 Mitarbeiter produzieren am Niederrhein jährlich über 280.000 Tonnen rote, gelbe, braune und schwarze Eisenoxide (Bayferrox) sowie grüne Chromoxide. Eisenoxid, bekannt auch als Rost oder Zunder, entsteht, wenn Sauerstoff mit Eisen reagiert. Vor 90 Jahren hat der Chemiker Julius Laux herausgefunden, wie sich Pigmente synthetisieren lassen.

Wird zum Beispiel der Eiffelturm neu gestrichen, kommen die Farbpigmente dafür aus Krefeld. Die Eisenoxide bringen auch Schwung in unseren Alltag: Die Hälfte geht in die Bau-Industrie für farbige Pflaster- und Dachsteine, Fliesen, Laminat, Kunstrasen und Fassadenfarben. Die Pigmente stecken zudem in Druckertinten, Autolack, schwarzer Wimperntusche, rotem Lippenstift, brauner Schuhcreme und vielen anderen Produkten. Lanxess deckt mehr als ein Drittel des weltweiten Bedarfs.

In den nächsten Jahren soll die Produktion weiter wachsen. Denn in immer mehr Ländern ziehen die Menschen vom Land in die Stadt: Das regt die Bautätigkeit an – und die Nachfrage nach farbigen Materialien wie zum Beispiel Betondachsteinen.

Wie aber entstehen die Farbnuancen? „Das liegt an der Teilchengröße der Pigmente“, erklärt Chemikerin Holstein. „Dadurch ändert sich die Lichtstreuung.“ Schon bei der Synthese lässt man einen kleinen Keim kontrolliert anwachsen. Erreichen die gelben Teilchen im Reaktor die gewünschte Größe, stoppt Holstein die Reaktion.

Die Pigmente werden gereinigt, getrocknet und in riesigen Mühlen gemahlen. Auch die Körnung beeinflusst die Farbe: Pigmente für Autolacke werden in speziellen Mühlen mikrometerfein pulverisiert.

Die Eisenoxide werden zudem für ihre „unsichtbaren“ Qualitäten geschätzt. Mit ihrer Hilfe absorbiert man zum Beispiel Arsen aus dem Trinkwasser, entschwefelt Biogas oder behandelt Abwässer. Andere technische Oxide kommen wegen ihrer magnetischen oder zündenden Eigenschaften in Airbags, Bremsbelägen, Feuerfestkeramiken und Tonern zum Einsatz.

Lanxess stellt die Pigmente an mehreren Standorten auf verschiedenen Kontinenten her. Krefeld jedoch ist das Herzstück des Geschäftsbereichs. Rund 200 Millionen Euro hat der Spezialchemie-Konzern zwischen den Jahren 2005 und 2015 in das Werk investiert. „Das Wichtigste ist“, unterstreicht Jörg Hellwig, Leiter anorganische Pigmente beim Unternehmen, „dass wir hier eine leistungsstarke, ideenreiche und hochmotivierte Mannschaft haben.“


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Schlagwörter: Export Produktion

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