Investition

Das Wachstumswunder


Warum der Maschinenbauer Bausch + Ströbel immer größer wird

Ilshofen. Mit einem verschmitzten Lächeln zeigt Unternehmer Siegfried Bullinger  aus dem Fenster. Die junge Platane, die vor dem Werk ihre Äste emporreckt, ist für ihn nicht irgendein Baum. „Wir liefern uns einen Wettbewerb“, scherzt er. „Es geht darum, wer schneller wächst: der Baum oder der Betrieb.“ Platanen wachsen rasant. Diese ist ein Geschenk der Stadt – und für Bullinger ein Symbol.

Denn das MaschinenbauUnternehmen Bausch + Ströbel, Hersteller von Anlagen für die Pharma-Industrie, ist ein Wachstumswunder. Vor 43 Jahren baute Bullinger mit Rolf Ströbel und Wilhelm Bausch in einer Garage die erste Maschine. Heute macht die Firma mit 950 Mitarbeitern 115 Millionen Euro Umsatz pro Jahr.

Seit 2007 sind die Familien Bullinger und Ströbel alleinige Inhaber, Bullinger führt die Geschäfte mit Markus Ströbel.

Vergrößerung trotz Konjunkturschwäche

Der Weltmarktführer ist sogar in der Krise gewachsen. 2009 investierte das Unternehmen aus Hohenlohe 3,5 Millionen Euro in die Erweiterung der Montagehalle und die Aufstockung des Technikgebäudes um drei Etagen, schaffte damit Platz für 100 Mitarbeiter. „In den nächsten drei Jahren investieren wir weitere 20 Millionen Euro“, so Bullinger.

Die Kunden sind relativ krisenfest

Für das Wunder gibt es Erklärungen. Zum einen beliefert die Firma hauptsächlich eine krisenfeste Branche, die Pharma-Industrie. Die Anlagen aus Ilshofen reinigen, sterilisieren, füllen, schließen und etikettieren Ampullen für Arzneien. Pressesprecherin Tanja Bullinger, Tochter des Geschäftsführers, erklärt: „Medikamente werden auch in Krisenzeiten benötigt.“

Außerdem plant man bei Bausch + Ströbel langfristig. „Da haben wir als Familienunternehmen sicher einen Vorteil“, sagt Tanja Bullinger. „Fast die ganze Rendite bleibt im Unternehmen, es geht uns nicht um schnellen Profit.“

Und dann zahlt sich noch aus, dass das Unternehmen über Jahrzehnte Know-how im Bereich dieser Sondermaschinen gesammelt hat. In der Pharma-Branche kommt es besonders auf zuverlässige Anlagen an.

„Ein Fläschchen mit Impfstoff kostet zum Teil 2.000 Euro“, so die Pressesprecherin. „Es darf also nichts daneben gehen.“ Weltweit teilen sich den Markt in diesem Bereich nur wenige Hersteller.

In der Produktion arbeitet Deutschlands bester frischgebackener Industriemechaniker: Benjamin Spang ist kürzlich ausgezeichnet worden. Er ist froh, einen so krisenfesten Arbeitgeber zu haben.

„Und ich bin stolz“, erzählt er, „dass ich beim Wachstum meines Betriebes mitwirken kann.“ Hier zu arbeiten, das heißt, viel unterwegs zu sein. Spangs Kollege Klaus Mittelmeier beispielsweise bereitet sich gerade auf eine Reise nach China vor. Solche Einsätze seien zwar anstrengend, sagt er, „aber man erlebt auch viel, lernt andere Kulturen kennen“.

Um auch in Zukunft genug Fachkräfte wie Spang und Mittelmeier zu haben, bildet das Unternehmen ständig 120 Leute aus. Mit Erfolg: Ein Drittel der Mitarbeiter haben hier als Auszubildende angefangen – sie sind also mitgewachsen.

 

Übrigens ...

Die Branche hat viel wettzumachen

Auch wenn es Ausnahmen gibt – der deutsche Maschinenbau hatte schwere Einbrüche zu verkraften. Die Produktion legte zwar im Jahr 2010 durchschnittlich wieder um 6 Prozent zu. Doch selbst wenn sie in diesem Jahr um weitere 8 Prozent wächst, liegt sie immer noch 14 Prozent unter dem Top-Niveau von 2008.

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