Damit der Pott nicht rostet

Das Unternehmen Wacker steckt Geld ins Werk Nünchritz und sichert so Jobs

Nünchritz. Für die wettergehärteten Matrosen auf den fernen Ozeanriesen wären die Menschen hier „Landratten“. Und doch vertrauen die blauen Jungs ihre riesigen Stahlpötte einem Produkt dieser Landratten an.

Denn aus dem Wacker-Werk in der 6.000-Seelen-Gemeinde Nünch­ritz kommt eine Spezialität, ohne die den Bezwingern der Weltmeere womöglich der Kahn unterm Hintern wegrosten würde: sogenannte Ethylsilikate. Sie machen Schiffs­anstriche und Korrosionsschutzlacke erst richtig widerstandsfähig.

Anlage wird auf den neuesten Stand der Technik gebracht

Anton Wolfgruber, Projektleiter beim Wacker-Konzern, erklärt: „Ethylsilikate verbinden die Bestandteile der Farben.“ Wenn der Anstrich ausgehärtet ist, bleibt er chemisch stabil, trotzt den Attacken vom Wetter genauso wie etwa UV-Licht und Salzwasser.

Seit 1985 produziert eine Anlage in Nün­chritz die Substanzen, in all den Jahren ohne große Umbauten. Aber nun wird sie generalüberholt und auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Wolfgruber leitet das Projekt, in das der Münchner Konzern nach eigenen Angaben einen „niedrigen zweistelligen Millionenbetrag“ steckt. In letzter Zeit, so berichtet der Fachmann, seien häufiger Reparaturen notwendig gewesen – „was auf Dauer nicht wirtschaftlich ist“.

Verwendung auch in Smartphones

Zudem werde die Modernisierung die Produktivität der Anlage erhöhen, sagt Wolfgruber. Das helfe, die Arbeitsplätze zu sichern.

Gebraucht werden die Ethylsilikate in vielen Branchen. In Smartphones isolieren sie die Leiterbahnen auf den Chips. Gießereien nutzen sie als Bindemittel beim „formlosen Guss“, mit dem sie Ventile und Motorblöcke produzieren.

Noch ist in dem Wacker-Werk Nünchritz, Sachsens größtem Chemiekomplex, kein Baulärm zu hören: „Zurzeit läuft das Genehmigungsverfahren“, erzählt Wolfgruber. „Sobald das Behörden-Okay kommt, geht es los.“

Die Inbetriebnahme ist für das erste Halbjahr 2015 geplant. Zugleich entsteht ein größeres Lager für den Ausgangsstoff Ethanol, den man europaweit zukauft.

Wacker hat hier 1.400 Mitarbeiter und 82 Azubis. Viele von ihnen arbeiten in der 900 Millionen Euro teuren Polysilicium-Anlage, die 2012 in Betrieb ging. Sie liefert den Rohstoff für Solarzellen. Der Weltmarkt dafür soll in diesem Jahr weiter wachsen.

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