Fachkräfte

Das tut Chemie Wocklum für den Nachwuchs

Balve. Oliver Cooke war schon mal weg. Jetzt ist er zurück: „Hier ist das Arbeitsklima einfach besser“, sagt der junge Mann. Geschickt füllt er Phosphorsäure ins Mischwerk bei Chemie Wocklum im sauerländischen Balve. Das Unternehmen ist auf die Oberflächenbehandlung von Metallen und Kunststoffen spezialisiert.

Cooke, gelernter Schlosser, hat jetzt eine Ausbildung als Chemikant angefangen. Dabei arbeitet er schon lange in der Produktion: „Ich möchte besser verstehen, was ich tue“, sagt er. Sein Chef Michael Bertzen nickt: „Wir wären mit ihm auch als Angelerntem zufrieden, aber so hat er eine andere Berufsperspektive.“ Außerdem braucht das Produktportfolio mit 1.000 Rezepturen schon profundes Wissen.

Das im Jahr 1822 gegründete Unternehmen hat Säuren zum Beizen, Reinigungs-, Galvanisierungs-, Phosphatierungs- und Beschichtungsmittel im Programm. Zu den Kunden gehören Metallverarbeiter wie Stahl- und Drahthersteller, Feuerverzinker und Autozulieferer. „Bevor aus dem Walzdraht eine Ferrari-Feder wird, muss sie durch mehrere unserer Bäder laufen“, erklärt Prokurist Bertzen.

Doch auch Kunststoffe benötigen eine Oberflächenbehandlung, wenn sie zum Beispiel im Fahrzeug Stahl ersetzen. Zu guter Letzt stellen die Balver auch noch Flockungsmittel für das Abwasser im Werk her.

Stolz ist man auf die hauseigene Kreislaufwirtschaft: Ausgelieferte Säuren werden zurückgenommen, aufbereitet und wieder als Rohstoff verwertet. Wocklum kümmert sich auch um die sichere Lagerung, Anschlüsse und Verladung der Chemikalien bei den Kunden.

Doch der Nischenproduzent mit rund 150 Beschäftigten am Standort (in der gesamten Wocklum-Gruppe sind es rund 280) muss sich gegenüber weit größeren Wettbewerbern behaupten. Fachkräfte von auswärts sind schwer in die entlegene Gegend zu locken, auch mit üppigen Gehältern kann der Mittelständler nicht punkten. Deshalb bildet das Familienunternehmen jährlich mehr als zehn junge Leute aus und übernimmt die Kosten für Weiterbildungen.

Das weiß der Nachwuchs zu schätzen. Wie Jonas Marx: Er musste sein Chemiestudium aus familiären Gründen abbrechen. Im Unternehmen lernte er dann Chemikant, konnte die Ausbildung verkürzen und ist vom Ehrgeiz gepackt: „Ich möchte ganz neue Dinge entwickeln“, sagt er.

Gerade arbeitet er an einem Mittel, das eine braune UV-Schutzschicht von Glas sauber ablöst. „Das hat bisher keiner geschafft!“ Im Labor klappt es schon – und vielleicht wird ein Großauftrag daraus.


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