Investitionen

Das Reifenwerk ist für viele Teil des Lebens


In Sachsen steht eine der modernsten Fabriken des Goodyear-Konzerns

Riesa. Bei Wind und Wetter auf den Bau – das wollen Ronny Busch und Matthias Müller nicht mehr. Die beiden gelernten Maurer fühlen sich wohler in der Fertigung bei Goodyear Dunlop in der sächsischen Kleinstadt Riesa.

Busch, zweifacher Familienvater, hat über eine Zeitarbeitsfirma den Sprung geschafft. Und sein Kollege Müller nutzte eine Qualifizierungsmaßnahme der Agentur für Arbeit in Kooperation mit dem Reifenwerk.

Genauso wie Stefan Dill, der wenige Meter entfernt einen Rohling aus der Reifenaufbaumaschine auf dem Transportwagen ablegt. Er ist nach einer Kfz-Lehre in der Nähe von Stuttgart zurück in die sächsische Kleinstadt gekommen.

„Unglaubliche Motivation”

Dort ist in den vergangenen Jahren eine hochmoderne Fabrik entstanden. 17.600 Reifen werden hier zurzeit pro Tag gefertigt. Tendenz steigend: Schon in knapp einem Jahr werden es 19.250 sein. „Wir haben die 20.000-Schallmauer fest im Blick“, sagt Werkleiter Bruno Kihm.

Die Zuversicht hat Gründe. Der Goodyear-Dunlop-Konzern hat allein in den letzten vier Jahren 78 Millionen Euro in den Standort investiert und so die Voraussetzung dafür ­geschaffen, dass dieser im ­Osten Deutschlands langfristig wettbewerbsfähig bleibt. Kihm kennt seine Mannschaft gut. Er sagt: „Hier herrscht eine unglaubliche Motivation. Für viele Mitarbeiter ist das Reifenwerk Teil ihres Lebens.“

Zum Beispiel für Angelika Bürger. Die agile 55-Jährige hat nach dem Abitur Gummifacharbeiterin gelernt und ein Ingenieurstudium absolviert. Heute führt sie 107 Mitarbeiter. „Wenn der Chef nicht im Werk ist, übernehmen eine Kollegin und ich die Verantwortung“, sagt sie. Seit 1972 hat sie viele Höhen und Tiefen des Reifenwerks erlebt. Für sie ist „der Mix aus Jung und Alt besonders wichtig.“

641 Menschen arbeiten im Werk. In drei Schichten pro Tag, rund um die Uhr an 350 Tagen, sind die modernen Anlagen ausgelastet. 90 Prozent der Mitarbeiter sind Fachkräfte. 28 Auszubildende gehören zum Nachwuchs. Stolz ist der Werkleiter darauf, dass in diesem Jahr 18 Mitarbeiter die Meisterprüfung bestanden haben. Die größte Herausforderung sieht er darin, mit dem enormen Wachstum Schritt zu halten. „Wir müssen dieses Jahr etwa 35 neue Maschinen in den Fertigungsprozess integrieren und rund 100 Mitarbeiter qualifizieren.“

Vollautomatischer Transport

Er steht in der riesigen Werkhalle und zeigt, wo Ende 2012 ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Standorts fertiggestellt sein wird: „Führerlose Fahrzeuge transportieren dann vollautomatisch die Rohlinge in die Heizung und anschließend ins Lager.“ Er fügt stolz hinzu: „Wir sind im Goodyear-Konzern das produktivste Werk in Deutschland, vielleicht sogar weltweit.“

 

Info: Geschichte des Reifenwerks in Riesa

Im Jahr 1946 entstanden unter dem Namen „Riesa – Reifenrennerprobt“ die ersten Neureifen. 1968 konzentrierte die DDR in Riesa die Produktion von Pkw-Reifen.1980 fertigte man die ersten Stahlgürtelreifen. Im Zuge der deutschen Einheit sank die Belegschaft von 2.000 auf 400 Mitarbeiter. 1995 übernahm Dunlop das Werk. 1998 lief der 100-millionste Reifen vom Band. Derzeit wird der Standort mit großem Aufwand weiter ausgebaut.

 

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