Integration

Das Projekt „IdA Bayern Turbo“ begleitet junge Flüchtlinge in den Beruf

Der Aufwand lohnt sich: Rund 1.000  Teilnehmer und 850  Firmen machten im Projekt mit. 40 Prozent der Kandidaten wurden eine Ausbildung oder ein Job vermittelt. Dabei halfen Deutschkurs, Bewerbungstrainings und Praktika.

Beim Kickern: Kelvin Kagbo, Unternehmer Hans-Joachim Bormann, Michael Bormann, Ibrahim Shkhess (von links). Foto: Puchner

Beim Kickern: Kelvin Kagbo, Unternehmer Hans-Joachim Bormann, Michael Bormann, Ibrahim Shkhess (von links). Foto: Puchner

München/Neusäß. „Einen Asylbewerber bei uns im Berufsalltag zu integrieren, bedeutet zu Anfang einen erheblich höheren Aufwand, als einen deutschen Jugendlichen auszubilden.“ Hans-Joachim Bormann, der Geschäftführer des gleichnamigen IT-Herstellers in Neusäß bei Augsburg, weiß das. In seiner Firma machen seit September 2016 zwei Flüchtlinge eine Ausbildung in einem M+E-Beruf: Ibrahim Shkhess aus Syrien und Kelvin Kagbo aus Sierra Leone.

Trotzdem ist der Firmenchef hocherfreut: „Der Aufwand lohnt sich angesichts des großen Einsatzwillens dieser beiden Kollegen.“ Die Erfahrung in seinem Unternehmen laute: Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede seien nach wenigen Monaten aus dem Weg geräumt.

Dass das so gut geklappt hat, liegt ganz maßgeblich an dem Projekt „IdA Bayern Turbo“. Der Name ist Programm: In nur acht Monaten wurden etwa Shkhess und Kagbo, bevor sie bei Bormann als Azubis starteten, auf ihre Ausbildung vorbereitet.

Über 1.000 Teilnehmer in 850 Unternehmen

IdA Bayern Turbo ist Teil des Programms „IdA – Integration durch Ausbildung und Arbeit“, das die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), die Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit und das bayerische Sozialministerium im Herbst 2015 gemeinsam auflegten. Allein die Verbände investierten 6,7 Millionen Euro in insgesamt zwölf Projekte.

Zu dem Projekt IdA Bayern Turbo, das nun abgeschlossen wurde und im August in veränderter Form in eine neue Runde startet, zieht die vbw eine positive Zwischenbilanz. Von den insgesamt 1.015 jungen Teilnehmern – vor allem aus Afghanistan, Syrien, aber auch aus weiteren Ländern wie Eritrea, Somalia und Irak – wurden 286 in eine duale oder schulische Ausbildung, eine Einstiegsqualifizierung, ein Studium oder eine Beschäftigung vermittelt.

Das entspricht einer Quote von rund 28 Prozent. Rechnet man die Kandidaten heraus, die abbrechen mussten (etwa wegen Umzug, Krankheit oder weil sie keine Arbeitserlaubnis bekamen), beträgt die Vermittlungsquote sogar rund 40 Prozent. „Damit sind wir auf einem guten Weg“, so Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw.

Das Bayern-Turbo-Projekt fand an 38 Orten im Freistaat statt. Insgesamt wurden 1.334 Praktika in verschiedenen Branchen durchgeführt, 850 Unternehmen stellten Plätze zur Verfügung. Nach zwei Monaten Erstorientierung mit Deutschkurs starteten die Teilnehmer jeweils einen halbjährigen berufsvorbereitenden Kurs, der zunächst die Kompetenzen und Interessen klärte. Zudem gab es Bewerbungstrainings, Infos zum bayerischen Ausbildungssystem, berufsbezogene Sprachförderung und allgemeine sowie berufsspezifische Qualifizierungsangebote.

Auch der Syrer Shkhess schaffte mit Unterstützung des Projekts den Neubeginn. Der Informatik-Student stand in seiner Heimat kurz vor dem Examen, als die Universität zerstört wurde. In Bayern baut er auf sein Wissen auf, will Fachinformatiker werden. „Das erste Jahr an der Berufsschule ist hart“, sagt er, „vor allem wegen der Sprache.“ Doch die Firma hilft, wo sie kann. Bormann organisierte Nachhilfe und besorgte eine Wohnung für ihn und seinen Kollegen, damit sie ungestört lernen können.


Gelungener Start: Flüchtlingsklasse mit 21 Mann

Ausbildung: Druckluftspezialist Kaeser engagiert sich. Foto: Werk
Ausbildung: Druckluftspezialist Kaeser engagiert sich. Foto: Werk
  • Druckluftspezialist Kaeser Kompressoren aus Coburg engagiert sich ebenfalls stark im IdA-Projekt. Zusätzlich zu 60 Azubis aus der Region unterschrieben dort im vergangenen Herbst 21 Flüchtlinge einen Ausbildungsvertrag. „Alle sind noch motiviert“, sagt Ausbildungsleiter Rüdiger Hopf.
  • Das Unternehmen zählt auf die IdA-Projekte. Und tut selbst viel: Es erweiterte das Ausbildungszentrum, kaufte neue Maschinen, stellte zusätzliche Ausbilder ein, baute die Coburger Jugendherberge zur Unterkunft um. Für 2017 plant die Firma, weitere Flüchtlinge einzustellen.

Mehr zum Thema:

Über eine Million Flüchtlinge sind nach Deutschland gekommen. Welche Chancen haben sie auf dem Arbeitsmarkt? Wie engagieren sich Betriebe und Verbände, damit aus Fremden Kollegen werden? Was bedeutet die Zuwanderung für die Staatsfinanzen?

aktualisiert am 09.05.2017

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