Mit 74 immer noch dabei

Das Metall-Unternehmen Fagus-GreCon bietet flexible Arbeitszeitmodelle für Jung und Alt

Flexibilität statt Stechuhr: Bei der Firma Fagus-GreCon helfen Ruheständler Jungen mit ihrem Know-how, nehmen Väter Babypause, nutzen Mütter Heimarbeit. Dafür wurde der Betrieb jetzt als „Demografiefest“ zertifiziert.

47 Jahre Altersunterschied: Klaus Palm und Gunnar Barke arbeiten als Team an einer Ultraschallmessanlage. Foto: Gossmann

47 Jahre Altersunterschied: Klaus Palm und Gunnar Barke arbeiten als Team an einer Ultraschallmessanlage. Foto: Gossmann

Fit mit Fagus: Markus Efler bei der Arbeit – danach geht er trainieren, gesponsert vom Unternehmen. Foto: Gossmann

Fit mit Fagus: Markus Efler bei der Arbeit – danach geht er trainieren, gesponsert vom Unternehmen. Foto: Gossmann

„Eine Stechuhr gibt es bei uns nicht.“ Melanie Gödeke, Personalleiterin Fagus-GreCon. Foto: Gossmann

„Eine Stechuhr gibt es bei uns nicht.“ Melanie Gödeke, Personalleiterin Fagus-GreCon. Foto: Gossmann

Alfeld. Klaus Palm arbeitet so gern, dass für ihn auch mit 74 Jahren noch nicht Schluss ist. Heute mustert er die Zeichnung, die ihm sein neuer Kollege herüberschiebt, und tippt mit dem Stift aufs Papier. „Wir müssen da ein bisschen fummeln“, sagt er.

Palm und sein Kollege Gunnar Barke sind Maschinenbau-Ingenieure bei der Firma Fagus-GreCon in Alfeld. Sie berechnen die perfekte Passform einer industriellen Röntgenanlage für den Einbau beim Kunden.

Job auch von daheim, Babypausen erwünscht

Von der Erfahrung des älteren Kollegen zu profitieren, ist für den 27-jährigen Berufseinsteiger Barke besonders bei schwierigen Aufträgen ein Glücksfall – und für die Firma Teil einer Strategie.

Das in drei Sparten aufgeteilte Unternehmen für Schuhleisten, Brandschutz und Messtechnik setzt sich vorbildlich für gute Arbeitsbedingungen ein. Dafür hat es das Zertifikat „Demografiefest. Sozialpartnerschaftlicher Betrieb“ vom niedersächsischen Wirtschaftsministerium und der Demografieagentur der niedersächsischen Wirtschaft erhalten.

Das Zertifikat würdigt Unternehmen, die mit kreativen Ideen dem Fachkräftemangel in einer immer älter werdenden Gesellschaft vorbeugen. Für die weltweit operierende Firma Fagus-GreCon gehört es dazu, genau auf die Bedürfnisse ihrer 350 Beschäftigten am Standort Alfeld zu achten und individuelle Lösungen zu finden. Diese sind Wissenstransfer, flexible Arbeitszeitmodelle, Ausbildung und Gesundheitsvorsorge.

Mangel an Nachwuchs gibt es bei der mittelständischen Firma nicht. Ausbildungsmessen, eine betriebseigene Akademie für die Aus- und Weiterbildung sowie die Ausbildungswerkstatt sorgen für eine gute Betreuung der angehenden Fachkräfte.

Dazu gehört auch die passende Unternehmenskultur für Arbeitnehmer mittleren Alters. „Eine Stechuhr gibt es bei uns nicht“, erklärt Personalleiterin Melanie Gödeke. „Wer flexible Arbeitszeiten braucht, für den machen wir sie möglich“, sagt sie.

Gödeke ist selbst Mutter einer kleinen Tochter und Führungskraft. Sie leistet ihre 40 Wochenstunden im Büro oder zu Hause. Gut 60 Prozent der frischgebackenen Väter nehmen zwei Monate Väterzeit, Gödeke spricht angehende Eltern unter den Arbeitnehmern auf Babypausen oder flexible Arbeitszeitgestaltung an. Oft ergänzen sich die unterschiedlichen Arbeitszeiten der Kollegen zu einem gut organisierten Tagesablauf in der Abteilung.

Unter den Mitarbeitern mit flexibler Arbeitszeit sind auch sieben Ruheständler. Sie arbeiten aus eigenem Entschluss weiter. Ihre Erfahrung und ihr Wissen sind ein Schatz für das Unternehmen. „Hier wollen wir uns weiter verbessern, um das Wissen der älteren Mitarbeiter besser zu sichern und den Kollegen zugänglich zu machen“, sagt Gödeke.

Bei Klaus Palm und Gunnar Barke klappt das ganz gut. Was motiviert den 74-jährigen Palm zur Arbeit? „Ich hatte das Glück, dass mein Beruf auch mein Hobby hätte sein können“, freut sich der Senior Engineer.

Sein Schreibtisch aus massivem Holz hat eine abgenutzte Oberfläche, Palm benutzt ihn seit 1976. Er denkt noch nicht ans Aufhören.


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