Produkt mit Geschichte

Das leisten Kunststoffe für Topf & Co.


Espenhain. Unaufhörlich schiebt sich die warme Masse aus dem Extruder und fällt in dicken Brocken in einen Trichter. An der linken Maschine ist sie lindgrün, rechts grell­orange: frisches Duroplast, umgangssprachlich Form- oder Pressmasse genannt.

Durch Rohre gelangen die Brocken zum zwei Etagen tiefer stehenden Mahlwerk. „Auf dem Weg kühlt die Masse ab“, erklärt Anlagenfahrer Jens Weichert. „In der Mühle wird sie dann zu einem Granulat gemahlen.“

Diese Granulate aus Duroplast sind die Spezialität des Raschig-Werks in Espenhain bei Leipzig. Ungefähr 3.000 Tonnen stellen die 45 Mitarbeiter davon jährlich her. „In etwa 150 Varianten, 60 Prozent der Produktion gehen in den Export“, berichtet Werkleiter Lutz Graupner, der schon seit 1975 hier arbeitet.

Gut 20 Millionen Euro investiert

Verwendet werden die aus dem Granulat gewonnenen harten Kunststoffe in der Elektro- und Haushaltswaren-Industrie. Überall dort, wo ein Werkstoff elektrisch isoliert, sehr hitzebeständig, kratzfest oder chemisch widerstandsfähig sein muss.

„Unser Material kommt in der Elektro-Industrie bei verschiedensten Sicherheitsschaltern und in der Haushaltswaren-Industrie etwa in Topf- und Tiegelgriffen oder Herdknöpfen und -leisten zum Einsatz“, zählt Graupner auf.

Hergestellt wird der Werkstoff in Espenhain schon seit rund 70 Jahren. „Früher setzte man auch Abwässer aus der Kohleveredlung als Ausgangsprodukt ein“, berichtet Produktionsleiter Rudolf Ley.

Das ist Vergangenheit. 1990 kaufte die Ludwigshafener Firma Raschig das Werk, das 1942/43 gebaut worden war, und investierte fast 20 Millionen Euro in moderne Technik. Seitdem sind Melamin und Formaldehyd die Ausgangsstoffe für das Kunstharz.

Bei der Weiterverarbeitung kommen bis zu 20 Zuschlag- und Füllstoffe hinzu, die mit dem Harz im Extruder verbunden werden. Auf dem Weg vom Rohstoff zum Fertigprodukt wird die Polymerisation, also die chemische Reaktion, mehrfach in Gang gesetzt und wieder unterbrochen.

Zweites Standbein Raschig-Ringe

„Heraus kommt ein Granulat, das in einer Vielzahl chemischer und physikalischer Parameter den Sollvorgaben entspricht“, erklärt Ley. Jeder Kunde habe andere Anforderungen. Selbst die Größe der Granulat-Teilchen, des Korns, sei für die Verarbeitung zum Endprodukt wichtig.

Das fertige Duroplast-Granulat wird je nach Verfahren und Einsatzzweck beim Kunden mit Spritzgieß-Maschinen oder Pressen weiterverarbeitet. „Dort erst entsteht der fertige Kunststoff“, erklärt Ley. „Nach dem Aushärten ist er nicht mehr schmelz- oder verformbar.“

Ein weiteres Produkt der Espenhainer sind Hohlzylinder aus Metall, die sogenannten Raschig-Ringe. Sie vergrößern zum Beispiel beim Destillieren von Flüssigkeiten die Oberfläche, an der sich die Blasen verdampfender Stoffe bilden können. „Das ist für uns zwar der kleinere Produktionszweig“, so Werkleiter Graupner, „aber er trägt entscheidend zum guten Betriebsergebnis in Espenhain bei.“

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