Spezial-Geschäft

Das Klo für alle Fälle


Der Hersteller Adco in Ratingen machte das Dixi-WC zur Erfolgsstory

Ratingen. Der Papst war drin, Verona Pooth und Tina Turner. Sowie Millionen Bauarbeiter. Auch auf Open-Air-Konzerten und Volksfesten ist es einfach nicht wegzudenken: das Dixi-Klo – die mobile Toilette der Firma Adco Umweltdienste. Von Ratingen bei Düsseldorf aus versorgt das Unternehmen die Welt mit seinen „Stillen Örtchen“.

Adco ist die Nummer eins im Geschäft mit dem „Geschäft“. In Deutschland beträgt der Marktanteil etwa 60 Prozent. Rund 170.000 Toiletten hat das „WC-Imperium“ in 31 Ländern rund um den Globus im Einsatz, schildert Johannes Borgmann, einer von fünf Adco-Geschäftsführern. Das mobile Klo ist ein Exportschlager „Made in Germany“.

Dabei hat es ein Amerikaner erfunden, der US-Soldat Fred Edwards 1973 in Deutschland. Er schraubte das erste hellblaue „Dixi“-Klo zusammen: 1,20 mal 1,10 Meter Grundfläche, Plastikbrille, Auffangtank. Längst hat es Geschwister. Wie etwa die größere „Toi Toi“-Kabine. Mehr Fläche sorgt darin für mehr „Standsicherheit“. Oder die „Toi Cap“. Dank Platz für einen Rollstuhl eignet sie sich für Behinderte. Sowie „Toi Flush“. Mit Waschbecken, Spülung und „formschönem Urinal“ erfüllt sie „gehobene Ansprüche“, sagt Borgmann.

XXL-Kabine für Papst und VIPs

Der Manager kommt schon ein wenig ins Schwärmen, wenn er das Produkt-ABC seines Unternehmens aufzählt: „Natürlich haben wir auch etwas für Luxus-Ansprüche“, versichert er: „Toi Toi“ in XXL-Version als ganzer Container mit – je nach Bedarf – MP3-Player, Sensor-Wasserhähnen, Marmor-Wänden und Blumen.

Papst Benedikt XVI. testete ihn auf dem katholischen Weltjugendtag 2005 in Köln. „Das war top fürs Image“, freut sich Borgmann noch heute. Bei der Fußball-WM boten die Mega-Toi-Tois dann VIPs Gelegenheit zur Erleichterung.

Das Geschäft mit den Kabinen ist eine „krisensichere Angelegenheit“. „Aufs Klo gegangen wird immer“, sagt Manager Borgmann. Im vergangenen Jahr bescherte das allzu menschliche Bedürfnis seinem Unternehmen 200 Millionen Euro Umsatz.

Ein „dreckiges Geschäft“ sei das keineswegs, wehrt der 54-Jährige ab, schon eher eine Herausforderung. Denn Service gehört dazu. Etwa einmal pro Woche besucht ein Adco-Mitarbeiter mit einem Spezial-Fahrzeug das Häuschen, pumpt die Brühe ab, spritzt die Kabine mit einem Hochdruck-Reiniger aus und wechselt das Papier.

„Toilettenkulturen sind verschieden“

Sechs bis acht Minuten dauert das pro Büdchen. Bei Großveranstaltungen wie dem Weltjugendtag in Köln sind Borgmanns Leute deshalb nahezu rund um die Uhr im Einsatz. Etwa 8.000 Kabinen stellte Adco damals in der Domstadt auf.

Weltweit gibt das „WC-Imperium“ so 1.900 Beschäftigten Arbeit. Viele von ihnen sausen in 960 Lastern für den Service von „Örtchen“ zu „Örtchen“ und etwa 25 Mitarbeiter stellen in einer Fabrik nahe Eisenach aus Kunststoff jährlich bis zu 15.000 neue Kabinen her.

Denn Adco expandiert im Ausland, in Tschechien, Polen, Amerika und Hongkong etwa. Kein leichtes Geschäft, wie Borgmann sagt. „Die Toilettenkulturen sind unterschiedlich.“ Briten wollen spülen danach, Portugiesen und Spanier wünschen Sichtschutz.

„Und in Asien ist es noch nicht überall üblich, sich auf eine Toilettenbrille zu setzen“, weiß Borgmann. „Doch das Bewusstsein für Hygiene in Asien wächst.“ Deshalb hat Adco jetzt für asiatische Ansprüche eine spezielle Dixi-Variante entwickelt. Denn dort entsteht ein Riesenmarkt. „Da wollen wir stärker hinein.“ 

Suska Döpp

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