Demografie

Das ist zu packen


Länger arbeiten? Die Chancen für Ältere auf dem Stellenmarkt steigen

Berlin. Ganz Deutschland diskutiert: Wie lange müssen wir arbeiten? Wie lange können wir arbeiten? Prominente Politiker rücken vom Ziel der Rente mit 67 Jahren ab. „Derzeit arbeiten zwei Drittel der Deutschen nicht mal länger als bis 60 Jahre“, sagt zum Beispiel SPD-Chef Sigmar Gabriel.

Wasser auf die Mühlen von Gewerkschaften und Sozialverbänden. Deren Standpunkt: Ältere haben auf dem Stellenmarkt kaum Chancen. Doch die Statistik der Bundesagentur für Arbeit beweist das  Gegenteil. Die Betriebe setzen verstärkt auf erfahrene Mitarbeiter. Deren Beschäftigung steigt deutlich an – seit Jahren.

Das gilt besonders für die 60- bis unter 65-Jährigen: Fast jeder Vierte von ihnen hat heute eine Stelle. Nicht irgendeinen Job. Sondern einen regulären, sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz. Vor fünf Jahren war es nur jeder Sechste.

„Von der Entspannung am Arbeitsmarkt profitieren die Älteren deutlich stärker als alle anderen“, sagt Professor Klaus Zimmermann. „Dass mehr ältere Arbeitnehmer beschäftigt werden, ist  vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels auch nötig“, so der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin.

Firmen fördern Fachkräfte ab 50

Oliver Stettes, Personalexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW), ergänzt: „Diese Entwicklung zeigt, dass es in den Firmen Anreize für die Beschäftigung Älterer gibt und diese auch länger arbeiten wollen.“ Schon jetzt würden zwei von drei Industrie-Betrieben Mitarbeiter fördern, die älter als 50 sind. Damit sie es bis zur Rente packen.

Und der Trend zu bewährten Fachkräften wird sich noch verstärken. Zum einen, weil sich die geburtenstarken Jahrgänge dem Rentenalter nähern. Zum anderen, weil weniger Berufsanfänger nachrücken.

Beschlossen wurde die Rente mit 67 ja schon 2007, von der damals regierenden Großen Koalition.

Bis 67 arbeitet aber nur, wer ab 2031 in Rente geht. Die Altersgrenze – derzeit 65 Jahre – steigt ab 2012 stufenweise. Anfangs um einen Monat pro Jahr, später in Zwei-Monats-Schritten.

Professor Bert Rürup, als Regierungsberater an der Reform beteiligt, warnt: Der Wohlstand sei in Gefahr, „wenn das wichtige Projekt verwässert wird“. Die Zahl der Arbeitskräfte würde dann zu schnell sinken – auch für die Industrie.

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