Globalisierung

„Das ist keine Folklore“


Zu Hause erfolgreich: Geschäftsführer Nicolas Maier-Scheubeck (links) und Montage-Mechaniker Walter Meister bauen auf Regensburg. Foto: Schulz

Warum die Maschinenfabrik Reinhausen der Heimat die Treue hält

Regensburg. Viele Firmen fertigen aus gutem Grund zumindest teilweise im Ausland. Es senkt Kosten, stärkt die Wettbewerbsposition und sichert so auch Jobs im Inland. Doch es geht auch anders: Die Maschinenfabrik Reinhausen GmbH produziert seit dem Jahr 1868 ausschließlich in Regensburg.

600 neue Mitarbeiter in zwei Jahren

Das Familienunternehmen, Hersteller von Komponenten für Leistungstransformatoren, fertigt an der Donau mit derzeit 1.800 Beschäftigten. Seit dem Jahr 2006 sind sogar 600 neue Mitarbeiter eingestellt worden. „Die Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre und die Anerkennung des globalen Wettbewerbs durch die Gewerkschaft waren ausschlaggebend dafür“, erklärt Geschäftsführer Dr. Nicolas Maier-Scheubeck – der hofft, dass die Gewerkschaften auch in der anstehenden Entgeltrunde diese Zusammenhänge beachten.

Der Umsatz der Maschinenfabrik Reinhausen kommt zu 90 Prozent aus dem Ausland. Trotzdem gibt es dort bislang im Ausland keine Fertigung. Die 500 Mitarbeiter jenseits der Grenze kümmern sich nur um den Vertrieb, die Montage der Komponenten in die Strom-Infrastruktur und den Service.

„Wir halten nicht sklavisch am deutschen Standort fest“, sagt Maier-Scheubeck. „Die Heimat lässt man aber nicht so leicht im Stich.“ Die Firma plant langfristig in Regensburg. Er fügt hinzu: „Heimat-Treue ist jedoch keine Folklore. “

Laufen jetzt die Löhne davon?

Harte Fakten sprechen für Regensburg: „Zuverlässigkeit verbindet man eben überall vor allem mit Deutschland“, sagt Maier-Scheubeck. Made in Germany ist für sein Unternehmen elementar. „Wir haben uns hier ein Mitarbeiter-Klientel herangezogen – motiviert und leistungsfähig.“ Auch habe die Stadtverwaltung immer ein offenes Ohr für die Belange des Unternehmens.

Gute Produkte, gute Mitarbeiter, gute Infrastruktur – „diese Vorteile werden auf Anfrage von Unternehmen jeder Größe genannt“, weiß Klaus-Heiner Röhl, Mittelstandsexperte am Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Er fügt hinzu: „Falls die Löhne in Zukunft davonlaufen, wird sich so manche Firma trotzdem umorientieren müssen.“

Michael Stark

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