Rohstoffe

„Das ist inzwischen fast wie Planwirtschaft“


Ohne Zutaten geht es nicht: Beim Beschichtungsspezialisten Geholit + Wiemer ist Titandioxid häufig unverzichtbar. Fotos: Sandro (2)

Ganz konkret: Wie die Firma Geholit + Wiemer mit den neuen Knappheiten umgeht

Graben-Neudorf. Ein Kunde  bestellt – und man kann nicht liefern. Zumindest nicht in der gewünschten Zeit. Diesen Albtraum erlebt gerade Lackhersteller Geholit + Wiemer.

Denn der Nachschub bei den Rohstoffen stockt – und macht dem Unternehmen in Graben-Neudorf bei Karlsruhe das Leben schwer. Die Krise hat unrentablen Rohstoff-Produzenten auf dem Weltmarkt den Garaus bereitet. Das macht sich jetzt, wo die Geschäfte wieder besser laufen, bemerkbar.

Auf einmal sind Bindemittel wie Acrylat- und Epoxidharze oder das Weißpigment Titandioxid „extrem knapp“, ihre Preise schießen in die Höhe, berichtet Einkaufsleiter Gerd Freiseis. „Kam die Lieferung früher in fünf bis zehn Tagen, mussten wir nun oft fünf bis sechs Wochen warten.“ Eine Situation, unter der auch andere Unternehmen leiden.

Rohstoff wird Kunden zugeteilt

Da ist Kreativität gefragt, besonders bei der Produk­tionsplanung. „Wir haben zigmal umdirigiert“, schildert Firmenchef Christian Wiemer. „Wir haben mal mehr gearbeitet, mal kürzer, mal in zwei Schichten statt nur einer produziert und sogar Samstage angehängt.“

In mehreren Fällen holten die Badener sogar Nachschub aus ihrem Zweigwerk in Duisburg nach Graben-Neudorf – um weiter produzieren zu können.

Ergebnis: Nur ein einziges Mal standen einzelne Maschinen im vergangenen Jahr tatsächlich still. Und dennoch: Mindestens zwei Dutzend Mal konnte Geholit + Wiemer erst verspätet liefern. „Wenn man das dem Kunden rechtzeitig mitteilt, akzeptiert er das manchmal – aber man kann ihn dadurch auch verlieren“, ärgert sich der Chef: „Eine geordnete, planmäßige Produktion zu kalkulierten Kosten sieht anders aus.“

Um die Rohstoff-Vorräte zu erhöhen, steckt das Unternehmen (200 Mitarbeiter, 33 Millionen Euro Umsatz) derzeit 150.000 Euro in den Ausbau seines Tanklagers. „Absolut absichern können wir uns dadurch aber nicht“, weiß der Firmenchef. Denn zum Teil sind die Rohstoffe so knapp, dass die Hersteller sie ihren Kunden zuteilen.

„Das ist inzwischen fast wie Planwirtschaft“, schildert Einkaufsleiter Freiseis die dramatischen Folgen der Knappheit. Beim Bindemittel Epoxidharz war das etwa der Fall. Und beim Weißpigment Titandioxid: „Wir bekommen 2011 von einem Lieferanten voraussichtlich nur zwei Drittel der  letztjährigen Menge.“

„Die Krise ist noch nicht durchgestanden“

Inzwischen haben die Badener zwar einen zusätzlichen Titandioxid-Lieferanten aufgetan. Weitere Mengen für 2011 sind zum Glück weitgehend zugesichert. Doch bei Epoxidharzen werden die Lieferzeiten schon wieder länger: Die Unsicherheit bleibt.

Hinzu kommen Preiser­höhungen. Freiseis: „Acrylatharze sind um mehr als 10 Prozent teurer als Anfang 2010, Epoxidharze um 30 bis 40 Prozent, Titandioxid sogar um 40 bis 50 Prozent.“ Das steckt der Mittelständler nicht einfach so weg. Die Rohstoffkosten machen fast die Hälfte des Produktpreises aus, wie bei  vielen in der Branche.

„Das geht massiv an den Ertrag“, sagt Firmenchef Wiemer. „Die Krise und ihre Folgen sind noch lange nicht durchgestanden.“    

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