Das ist die Generation 1995


Trotz mancher Schwächen haben Auszubildende von heute einiges drauf

Köln. Was kosten zwölf Rollen Tapete, wenn es fünf Stück für 30 Euro gibt? Bei Rechenaufgaben wie dieser ist für viele Azubi-Kandidaten im Einstellungstest schon Endstation. „Haarsträubend, was die ausrechnen!“

Ausbildungsleiter Hans-Jürgen Barth vom Schrauben-Spezialisten ABC Umformtechnik in Gevelsberg (Ruhrgebiet) ärgert sich Jahr für Jahr über Schwächen des Azubi-Nachwuchses bei simplen Rechenarten. Und über mangelnde Cleverness: „Nicht mal das Gründungsdatum der Firma können sie vom Kopf des Fragebogens abschreiben!“

Schlechte Leistungen Jugendlicher in Rechnen und in Deutsch – was Ausbilder heftig beklagen, belegt eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung in Bonn von 2006 mit Zahlen. Forscherin Verena Eberhard: „Wir befragten 350 Bildungsexperten. Vier Fünftel von ihnen halten die jungen Leute in Kopfrechnen für schlechter als früher, drei Viertel in Prozent- und Dreisatzrechnen und 90 Prozent in Rechtschreibung.“

Topfit am PC, fließend Englisch

Wie ausbildungsreif ist die Generation 1995? Ist die Jugend wirklich doof? AKTIV wollte es genau wissen, hat nachgeforscht. Und Überraschendes herausgefunden: Die Azubis haben heute andere Talente. 

„Sie sind topfit am Computer, im Internet, in Englisch und beim Präsentieren vor Publikum“, sagt Stephan Herzig, Personalreferent beim Stecker-Spezialisten Mennekes im sauerländischen Kirchhundem. „Und sie sind Teamarbeit gewohnt, kreativ und technikbegeistert.“ Wie das Beispiel der Mennekes-Azubis zeigt.

Mario König jobbte als Schüler beim Elektriker. Der Technische Zeichner Lukas Hofrichter übte nach der Schule bereits mit einem 3-D-Konstruktionsprogramm am Computer. Und Industriekauffrau Madlen Jenne überzeugte durch fließend gesprochenes Englisch.

Da geht der Daumen nach oben. Auch Ausbilder Barth von ABC Umformtechnik kennt die starken Seiten der „digitalen Generation“: „Bei Fremdsprachen haben die Auszubildenden keine Scheu. Selbst wenn mehrere Leute drum herumstehen – sie wursteln sich durch.“ Zudem seien sie kreativ: „Um eine Felge für einen Bobby-Car herzustellen, haben unsere Azubis selbstständig eine CNC-Maschine programmiert.“ Kein Problem.

Die Kids sind ja mit PC und Internet aufgewachsen.

Azubis trainieren Manager

Holger Hiltmann, einer der Ausbildungsleiter beim Pharma- und Chemie-Unternehmen Merck in Darmstadt: „Sie surfen durch die Programme, switchen blitzschnell zwischen Power-Point und Excel, Facebook und Youtube hin und her. Oder zwischen Laptop und Handy.“

Bei Merck trainieren deshalb Azubis Manager in diesen Techniken. Die merken so: „Hey, die jungen Leute sind ja gar nicht so schlecht.“ Auch das Präsentieren von Infos vor Publikum ist für sie ein Klacks, berichtet Ausbildungsleiterin Elke Schwing von Roche Diagnostics in Mannheim. Selbst Schlosser lernen das. Für die Abschlussprüfung. Und die schaffen in der Regel fast 90 Prozent der Azubis. Also: Geht doch.

 

Info: Test im Netz

Das bisschen Rechnen! Das ist doch nicht schwer. Oder doch? Ob Sie einen Einstellungstest von heute noch bestehen würden – hier finden Sie es heraus:

www.ruv.de/de/r_v_Ratgeber/ausbildung_berufseinstieg

www.ausbildungspark.com/einstellungstest


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